1. Weihnachtstag 2017

Gottesdienst am 1. Weihnachtstag

mit Predigt zu 1. Johannes 3, 1 – 6

gehalten in der St Martin Kirche von Bramsche

von Superintendent Hans Hentschel

 

 

Glockenläuten

Begrüßung

Kerzenanzünden

Eine/r:  Wir halten diesen Gottesdienst im Namen des Vaters. Wir bitten Gott, wenn wir die erste Kerze anzünden:  Du allmächtiger Gott, der du deinen Sohn als Kind in der Krippe in unsere Welt gibst, erbarme dich unser, und vergib uns unsere Sünde und führe uns zum ewigen Leben.

Eine/r: Wir halten diesen Gottesdienst im Namen des Sohnes. Wir bitten um des Sohnes und um der Verheißung der Engel auf den Feldern von Bethlehem willen, wenn wir die zweite Kerze anzünden:  Nimm von uns, Gott, unsere Sünde  und gib, dass wir mit freiem und fröhlichem Herzen dir dienen und dich preisen durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Eine/r: Wir halten diesen Gottesdienst im Namen des Heiligen Geistes. Wir bitten angefüllt mit dem Heiligen Geist Gottes, wenn wir die dritte Kerze anzünden: Lass mich dein sein und bleiben, du treuer Gott und Herr, von dir lass mich nichts treiben, halt mich bei deiner Lehr.

Eine/r: Drei Kerzen brennen und wir sind zusammen im Namen des Vaters, der es Weihnachten werden lässt, im Namen des Sohnes, der die Liebe predigt und im Namen des Geistes, der uns lehrt die Liebe zu leben.

Lied EG 30, 1 – 3 ‚Es ist ein Ros entsprungen ...’

KV: Psalmgebet, EG 738

Ehr sei dem Vater

Hans: Kyrie eleison …

Christe eleison …

Kyrie eleison …

Ehre sei Gott in der Höhe …

Der Herr sei mit euch … 

KV: Tagesgebet: Allmächtiger Gott, du kommst in diesem Weihnachtsfest mit deiner Liebe in die Enge unserer Verhältnisse. Dafür danken wir dir und wir bitten für diesen Gottesdienst und den Gottesdienst unseres Lebens: Lass unser Herz weit werden, deine Güte zu fassen, und mach uns so froh über die Geburt deines Sohnes, dass wir dich mit allen Geschöpfen loben können. Nimm uns durch die Kraft deines Mahles hinein in die völlig neuen Möglichkeiten, dass die heillos verlorene Welt gerettet werden kann. Das bitten wir durch unseren Herrn Jesus Christus, der mit dir in der Einheit des Heiligen Geistes lebt und Leben schenkt in Ewigkeit. Amen

KV: Die Schriftlesung setzt die Weihnachtsgeschichte fort, die wir gestern in unseren Gottesdiensten gehört haben. Sie führt uns mit den Hirten zurück in unsere Welt, an die Plätze unseres Lebens und lädt auch uns ein, Gott für all das zu preisen, was wir gehört und gesehen haben. Ich lese aus Lukas 2 die Verse 15 – 20:

Schriftlesung aus Lukas 2, 15 – 20

Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Laßt uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. (Pause)

Kirchenvorsteher: Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann uns’re Nacht nicht traurig sein. Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Halleluja!

Glaubensbekenntnis

Lied EG 25, 1 – 6 ‚Vom Himmel kam der Engel Schar …‘

Predigt zu 1. Johannes 3,1-6

Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch! Darum kennt uns die Welt nicht; denn sie kennt ihn nicht.  Meine Lieben, wir sind schon Gottes Kinder; es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden Wir wissen aber: wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.  Und ein jeder, der solche Hoffnung auf ihn hat, der reinigt sich, wie auch jener rein ist.  Wer Sünde tut, der tut auch Unrecht, und die Sünde ist das Unrecht.  Und ihr wisst, dass er erschienen ist, damit er die Sünden wegnehme, und in ihm ist keine Sünde.  Wer in ihm bleibt, der sündigt nicht; wer sündigt, der hat ihn nicht gesehen und nicht erkannt.

Liebe Gemeinde,

eine Mauer bis an den Himmel sehe ich auf einem Zeitungsbild. Hoch ragt sie auf und die Menschen, die daran arbeiten wirken wie Zwerge, die mit dinosauriergroßem Gerät an dieser Mauer bauen, die Mexiko von den USA trennen soll. Zu viele Mexikaner kommen auf das Gebiet der Vereinigten Staaten, um dort an dem teilzuhaben, was laut amerikanischer Verfassung zu den Grundrechten eines jeden Menschen gehört. ‚Das Streben nach Glück‘. 

Dieses ‚Streben nach Glück‘ ist für uns Christenmenschen zu Weihnachten in gewisser Weise an einen Zielpunkt gekommen. Wir haben das Glück durch die Geburt Jesu auch zu Kindern Gottes geworden zu sein. Dieser Jesus wird uns das Gebet lehren, das wir jeden Sonntag und oft genug auch noch alltags, im Zweifel sogar täglich beten: ‚Vater Unser …‘. Die Adoption ist geschehen. Jesus, unser Bruder – Gott, unser Vater.

So haben wir es eben in den irgendwie typisch verqueren Sätzen des Gesangbuchliedes gesungen: ‚Zuletzt müsst ihr doch haben recht, ihr seid nun worden Gott’s Geschlecht.‘

Gottes Kinder!

Weihnachten ist sozusagen die Adoptionsurkunde unseres Gottes für seine Leute.

Jesus – Kind Gottes!

Ich, Du, Sie – Kind Gottes!

Was bedeutet das?

Das bedeutet, dass Mauern zwischen Menschen – und seien sie noch so sehr ökonomisch begründbar – noch zur Welt gehören, in der nicht offenbar wird, was schon ist: Geschwisterschaft unter den Menschen und Kindschaft der Menschen im Verhältnis zu Gott.

1. Eine Weihnachtsgeschichte, in der Weihnachten scheitert:

‚Nein!‘ sagt der Wirt der Gaststätte zum ‚Fröhlichen Willkommen‘. Bedauernd zuckt er mit den Schultern. ‚Wir haben nichts frei. Auch keine zwei noch so kleinen Betten für jemanden wir euch. Unser Kontingent ist erschöpft. Die Obergrenze ist erreicht. Aber … wenn ich es recht bedenke … und immerhin heißt mein Haus ‚Zum fröhlichen Willkommen‘ … ich hätte da noch einen Platz in einem Stall auf einem der Felder vor dem Ort. Den gebe ich euch.‘ Da gehen Maria und Josef gern zum Stall. Besser als Nichts!

Im Stall ist die Stimmung schlecht.

Der Ochse macht sich breit und schnaubt. ‚Viel Platz ist hier sowieso nicht. Man hat es zwar noch nicht gehört, aber vielleicht haben diese Menschen sogar Geschmack an meinem Heu. Dann haben wir den Salat!‘

Der Esel stößt ins selbe Horn. ‚Das muss doch eigentlich jeder verstehen. Dieser Stall sieht zwar groß aus aber erst sind es zwei, dann drei und dann ruckzuck vier oder viele, die sich hier auch noch einquartieren wollen.‘

Und weil ein unweihnachtiches Wunder zum Kennzeichen dieser Nacht wird, teilt sogar die Krippe die allgemeine Verweigerungshaltung.

‚Ich bin nicht für Kinder gebaut, sondern für Heu und Stroh und Häcksel und wenn es mal sein kann für Möhren und Salat. Nein, ich gebe keinen Platz ab für fremder Leute Kinder!‘   

Und ganz schnell geschieht, was furchtbar ist: die Welt, die in Verweigerungshaltung der Liebe lebt, kennt Christus nicht.

Wo soll er denn geboren werden, wenn Ochs und Esel keinen Platz hergeben?

Wo soll er denn hingelegt werden, wenn die Krippe es verweigert, dass er hier liegen kann?

2. Das entscheidende Wort im heutigen Predigttext, mit dem das alles durchaus zu tun hat, heißt ‚WIR‘.

Wir sind Gottes Kinder.

Das bedeutet, dass wir kein Einzelkind sind, das sich verwöhnt darauf berufen kann, dass alle nur es im Blick haben und das vielleicht nie lernen muss und es deswegen auch nicht lernt, sich die Dinge mit anderen zu teilen. 

Natürlich lernen das auch Einzelkinder in Wirklichkeit. Ich kenne viele, die überaus sozial groß wurden. Das Wort vom Einzelkind muss herhalten als Beispiel für das konzentrierte Umsichselbst drehen und als Gegenteil von dem, was der Predigttext sagt: Gottes Kinder heißen WIR!

Ohne Zorn und Eifer stelle ich fest, dass es in unserer Zeit so eine Bewegung gibt, die das nationale und das persönliche ICH wieder in den Vordergrund spielt.

Der Brexit der Engländer zeigt ein trauriges Beispiel, die Verabschiedung der Türkei aus dem europäischen Demokratiehaus und die Machtpolitik des Kreml ein anderes und das ‚America first‘ ein Weiteres.

Eigene Interessen stehen oft genug im Vordergrund.  

3. Nun wird dies keine Publikumsbeschimpfung, denn ich sehe natürlich, dass gerade zu Weihnachten viele Menschen – auch in unserer Gemeinde – teilende Menschen werden. Sie lassen sich ansprechen auf ‚das Streben nach Glück‘ bei anderen.

In den Diakonieshop werden Spenden gebracht, die von beachtlicher Qualität sind.

Die Kollekten wachsen.

Überweisungen auf die Konten der karitativen Einrichtungen steigen.

Und immer wieder Anrufe im Pfarramt: ‚Ich möchte etwas geben. Können Sie mir sagen, wo es besonders nötig ist?‘

Gottes Kinder sind in solchen und anderen Aktionen erkennbar. Vielen Dank auch Ihnen dafür!

Und doch: es ist noch nicht erschienen, was wir sein werden.

Sie kennen diese Transparente, die zur Weihnachtszeit irgendwie gehören. Wenn man sie normal aufstellt, sind sie eher unspektakulär. Die Farben geben nichts her. Wie Kirchenfenster, die man von Außen anschaut. Wenn man aber ein Licht hinter die Transparente stellt, dann entwickeln sie ihre zauberhafte Schönheit in den Bildern, die man dann erkennen kann. Bunt und schön zeigen sie Gottes Weihnachtswelt.

Manchmal denke ich, dass wir als christliche Kirchen und als christliche Menschen wie solche Transparente sind. Vor allem eben in den Tagen der Weihnacht. Dann zeigen wir uns in der Hoffnung gereinigt als das, was wir sein können: Menschen, die das WIR der Kinder Gottes über den Tellerrand des eigenen Lebens und über die Grenzzäune der wirklichen Welt hinweg leben. Im ‚Gönnen können‘ und darin, dass wir andere im ‚Streben nach Glück‘ unterstützen, sündigen wir einen heiligen Moment im Lauf der Welt mal nicht.

4. ‚O du fröhliche, o du selige Weihnachtszeit …‘. Wenn wir dieses Lied mal nicht singen – sei es Heiligabend oder an den beiden Weihnachtstagen – dann fehlt ganz vielen Menschen in unseren Kirchen etwas, das unbedingt zum Weihnachtsfest gehört.

Fröhlich und selig soll es sein! Unser Weihnachten!

Darum ist das offene bzw. das geöffnete Himmelstor ein Symbol der Weihnacht.

Im Weihnachtsgedicht von Theodor Storm – DEM Weihnachtsgedicht der Deutschen – heißt es:

Die Kerzen fangen zu brennen an,

das Himmelstor ist aufgetan,

Von Weihnachten her sind verschlossene Tore und neu gebaute Mauern zwischen Menschen, zwischen Kindern des einen Gottes Sünde.

Wie groß wird der Jubel wohl sein, wenn alle das erkennen. ‚Christ ist erschienen um zu versühnen,‘ um von Sünde frei zu machen.

Wie viele Weihnachten werden wir brauchen? Ich weiß es nicht, aber Gott wird es schaffen.

Frohe Weihnachten. Amen   

Lied 610, 1 + 3 – 4 ‚Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer …‘ 

Abkündigungen

Lied EG 56, 1 – 5 ‚Weil Gott in tiefster Nacht erschienen …‘

Gebet

Hans: Vater im Himmel, Gott der Weihnacht, Herr des Lebens, Garant der Liebe, wir danken dir dafür, dass unser Glaube sich bei dir bergen kann. In den geöffneten Armen des erwachsenen Christus können wir lachen, können wir weinen, dürfen wir leben, dürfen wir sterben, bleiben wir in den Höhen und Tiefen unseres Lebens.

Wir danken für den Stern deiner Beständigkeit, der mit deinem Sohn seinen Lichtstreif der Rettung durch die Welt zieht, in der er predigt, heilt, annimmt und liebt.

Und als Menschen, die das Licht deiner göttlichen Wahrheit in den tausend Dunkelheiten des Lebens in dieser Welt sehen, bitten wir dich:

Lektor 1: Sei bei denen, die heute einsam sind.

Lektor 2: Sei bei denen, die heute weinen.

Lektor 3:  Sei bei denen, die gedankenlos und lässig auf Kosten anderer leben.

Lektor 1: Sei bei denen, die für andere Dienste tun.

Lektor 2: Sei bei denen, die heute und an den kommenden Tagen dein Wort sagen.

Lektor 3: Sei bei denen, denen vieles im Leben fehlt.

Lektor 1: Und weil du immer wieder deine Engel brauchst, die deine Nähe verkündigen, so wie es die Engel in dieser Nacht tun, lass uns zu solchen Engeln werden, die dein Sein in dieser Welt bekräftigen.

Lektor 2: Nimm uns in den Dienst der Weihnacht, die ein helles Licht in die Dunkelheiten der Armen, der Verlassenen, der Vergessenen und der Verachteten bringt.

Lektor 3: Wenn am Weihnachtsbaume die Lichter brennen, lege ein Brennen in unsere Herzen, dass die Welt besser werde.

Hans: Wenn die Stille Nacht und die Heilige Nacht vergangen ist, lass uns nicht einsam sondern gemeinsam darüber wachen, dass die kleine Welt unseres Leben gerechter, friedlicher und bewahrender wird.

Das bitten wir in Jesu Namen und beten gemeinsam weiter:  

Vater Unser

Lied EG 44, 1 – 3 ‚O, du fröhliche …‘

Segen         

 

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