11. Sonntag nach Trinitatis

Gottesdienst am 27. August 2017

gehalten in der St. Martin Kirche von Bramsche

von Superintendent Hans Hentschel zusammen mit vox humana

‚Little Jazz Mass‘ von John Chilcott

 

Orgelvorspiel

Begrüßung mit Abkündigungen

Kerzenanzünden

Lied EG 268, 1 – 5 ‚Strahlen brechen viele aus einem Licht …‘

Gebet: Mit deiner gewaltigen Stimme, heiliger Gott, hast du die Welt, in der wir leben erschaffen. Dein ist der Gesang der ganzen Schöpfung, die dich loben will. Auch wir als deine christliche Gemeinde wollen es lernen, zu singen und zu klingen, damit dein Name groß wird. Hilf uns unter dem Motto dieser kommenden Tage: So klingt Kirche tatsächlich mit einem überzeugenden und einladenden Klang unter den Menschen dieser Stadt unsere Stimme zu erheben, um dich zu loben und die Freude zu zeigen, die zu einem Leben mit dir gehört. Hab Dank für alle, die sich einsetzen, um deine Herrlichkeit und deine Heiligkeit zu loben und lass es uns als deiner gottesdienstlichen Gemeinde gelingen, den gewaltigen Klang deiner Stimme in den Stimmen der vielen zu hören, die immer wieder singen uns sagen: Großer Gott, wir loben dich. Das bitten wir im Namen Jesu, der mit dir in der Einheit des Geistes lebt und Leben beschenkt, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

Hinführung zur Jazz Mass:

Der Aufbau der Messe spiegelt das sogenannte heilsgeschichtliche Geschehen wider.

Zunächst wird auf die Sünde hingewiesen, die von Gott trennt. ‚Sünde‘ ist dabei ein irgendwie in diesen Tagen verbrannter Begriff. Für uns Theologen hat Sünde nichts mit Torte und Sahne oder zu schnellem Fahren zu tun, sondern es geht um das Fehlverhalten Gott gegenüber. Sünde ist ein Kirchenbegriff. Fehlverhalten im Leben mit Gott. Dieses Fehlverhalten ist total.

Eva und Adam essen von der verbotenen Frucht, wie bedienen uns auch an verbotenen Früchten. Reden gehässig über andere, neiden den Flüchtlingen ihre modernen Handys, lügen schamlos. Und wollen uns am liebsten herausreden, wenn jemand uns bei solchen Dingen überführt oder sie uns unterstellt.

‚Ich bin doch kein schlechter Mensch!‘

‚Ich bin doch nicht schlechter als andere …!‘

Und darum geht es gar nicht. Es geht darum, zuzugeben, dass ich kein Beispiel für makelloses christliches Leben bin. Und dann – wenn ich das zugebe – bleibt mir nur, um Gottes Gnade zu bitten. ‚Gott, ich bin nicht das prächtige menschliche Wesen, das du mir zu sein erlauben würdest. Ich mache Fehler im Umgang mit anderen Menschen. Sieh sie dir an und erbarme dich.

Dieser Satz – ‚Ich mache Fehler. Erbarme dich!‘ – heißt auf griechisch: Kyrie eleison!

Und weil Jesus sagt, dass dem Versager oder der Versagerin an der Liebe Gottes bei den Menschen, vergeben werden kann, weil Gott unsere Fehler von uns abziehen kann, wie unpassende Kleidung, darum können wir sagen: ‚Danke, Gott! Danke, dass du mich trotzdem liebst. Das ist mehr als ich begreifen kann. Danke! Himmelhochjauchzender Dank gebührt dir, Gott!‘

Dieser Satz ‚Himmelhochjauchzender Dank, dir Gott‘ heißt auf lateinisch: Gloria in excelsis!

Es gibt eine Geschichte im Neuen Testament, die verbindet diese beiden Erfahrungen des Kyrie und des Gloria. Die erzählt von einem unsympatischen Frommen und einem sympatischen Fehlermacher, sprich: Sünder. Diese Geschichte wird nun gelesen. Sie steht bei   im und weil sie unerwartet happyendet hören wir danach zunächst das Kyrie und dann das Gloria.

Sünder und doch gerettet.

Lesung aus Lukas 18

Annegret Vije: Fehlermacher und doch geliebt. Ich lese die angesprochene Geschichte, die von Jesus selbst erzählt wird, wie es uns der Evangelist Lukas aufschreibt:

Zwei Menschen gingen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer und der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die Übrigen der Menschen: Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche, ich vierzehnte alles, was ich erwerbe. Der Zöllner aber stand weitab und wollte sogar die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus. 

Vox Humana ‚Kyrie und Gloria‘    

Der Aufbau der Messe spiegelt das sogenannte heilsgeschichtliche Geschehen wider.

Zunächst geht es darum, dass den Sündern von der Begnadigung erzählt wird. ‚Gehe hin, deine Sünde ist dir vergeben …‘

Und weil diese Erfahrung der Begnadigung ein Staunen auslösen müsste: ‚Wow!‘ So einer ist Gott also. Einer, der sich nicht beleidigt in die Ecke verzieht, wenn ich irgendeinen Mist gebaut habe. ‚Wow!‘ So einer ist Gott also. Einer, der nicht sagt: ‚Nun hast du diese Fehler gemacht, sieh zu wie du damit ohne mich zurechtkommst.‘

Weil diese Erfahrung der Begnadigung ein Staunen auslösen müsste: ‚Wow!‘ Darum wird nach Kyrie und Gloria die Besonderheit Gottes in der Messe angesprochen.

Die Besonderheit, dass er nicht so ist wie viele Menschen.

Peter Dehn war so einer, den ich kannte. Hatte alle Geburtstage seiner Verwandten, seiner Nachbarn und der Klassenkameraden auswendig im Kopf. Ein Phänomen im Merken und Behalten. Hörte den neuesten deutschsprachigen Schlager zwei Mal im Radio und konnte ihn auswendig. War stolz auf sein Gedächtnis ‚wie ein Elefant‘. War aber auch mit der Hälfte des Dorfes zerstritten. ‚Die hat mir mal nur die halbe Wahrheit erzählt, das vergesse ich nicht …‘, ‚Der hat mich mal ausgetrickst, das vergesse ich nicht …‘, ‚Da habe ich mal um einen Gefallen gebeten und er wurde mir nicht getan, das vergesse ich nicht …‘     

Der unvergessliche Peter Dehn … ein bisschen was von ihm haben viele Menschen, können Fehlverhalten der anderen schlecht vergessen. Gott ist uns Menschen da überhaupt nicht ähnlich. Und diese Unähnlichkeit mit jeder Form menschlich allzumenschlichen Verhaltens nennen wir Theologen ‚heilig‘. Gott ist nicht Peter Dehn und Gott ist nicht wie wir, darum ist er ‚heilig‘.

Sanctus heißt das im Lateinischen.

Andrea Capelli: Lesung Psalm 98:

Gott ist nicht wie wir Menschen. Das besingt der Psalm 98:

Singt dem Herrn ein neues Lied; denn er hat wunderbare Taten vollbracht. Er hat mit seiner Rechten geholfen und mit seinem heiligen Arm.

Der Herr hat sein Heil bekannt gemacht und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker.

Er dachte an seine Huld und an seine Treue zum Hause Israel. Alle Enden der Erde sahen das Heil unsres Gottes.

Jauchzt vor dem Herrn, alle Länder der Erde, freut euch, jubelt und singt!

Spielt dem Herrn auf der Harfe, auf der Harfe zu lautem Gesang!

Zum Schall der Trompeten und Hörner jauchzt vor dem Herrn, dem König!

Es brause das Meer und alles, was es erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner.

In die Hände klatschen sollen die Ströme, die Berge sollen jubeln im Chor

vor dem Herrn, wenn er kommt, um die Erde zu richten. Er richtet den Erdkreis gerecht, die Nationen so, wie es recht ist.

Diese Heiligkeit Gottes zwingt geradezu auf die Knie.

Naja, wir aufgeklärten und modernen Menschen knien in der Regel nicht mehr, aber diese Anerkenntnis, dass Gott mit menschlichen Begriffen oder Bildern nicht zu beschreiben oder zu fassen ist, die weist ihn eben als den ganz anderen aus. Als den, dem die Berge zujubeln und dem die Flüsse applaudieren.

Christian Morgenstern verpackt diese Erkenntnis der Unvorstellbarkeit Gottes in die Worte: Gott wäre etwas gar Erbärmliches, wenn er sich in einem Menschenkopf begreifen ließe. Und wer kann sich schon vorstellen, dass die Hase aus ihrem Bett steigt und Gott applaudiert?

Dass die Heiligkeit Gottes mehr oder weniger sprichwörtlich oder im übertragenen Sinne vor Ehrfurcht in die Kniee zwingt, drückt sich im Lob Gottes aus. ‚Gelobt sei Gott …‘.

Dieses Gotteslob der Heiligkeit hat im Gesangbuch in dem Lied ‚Großer Gott wir loben dich …‘ einen Ausdruck gefunden. Davon singen wir jetzt auch:

Lied 331, 3 + 5 + 10 ‚Großer Gott, wir loben dich …‘

Auf das Bekenntnis der Heiligkeit Gottes, das Sanctus, ‚Heilig, Herr Gott Zebaoth, heilig, Herr der Himmelsheere‘ folgte – so wie wir es gesungen haben das Gotteslob, das Benedictus, ‚Dich, Gott Vater auf dem Thron loben Große, loben Kleine‘.

Das Bekenntnis zu Gottes Heiligkeit und das Gotteslob gehören zusammen im Sanctus und im Benedictus. Doch bevor wir diese beiden im Rahmen der Jazz Messe hören, muss noch einmal erinnert werden: Der Aufbau der Messe spiegelt das sogenannte heilsgeschichtliche Geschehen wider.

Schuld - Kyrie - wird durch Gnade – Gloria – getilgt. Darauf wird die Heiligkeit Gott – Sanctus – erkannt und das Lob Gottes – Benedictus – wird gefeiert.

Diese Feier findet sich neben all dem anderen in unseren Gottesdiensten auch im Bekenntnis des Glaubens wieder. Unser Glaubensbekenntnis wollen wir singen und dazu aufstehen.

Lied EG 184 ‚Wir glauben Gott im höchsten Thron …‘

Der Aufbau der Messe spiegelt das sogenannte heilsgeschichtliche Geschehen wider.

Zentrum und Mitte des heilsgeschichtlichen Geschehens ist das Christusereignis. Im sich unmittelbar an Sanctus und Benedictus anschließenden Agnus Dei wird Christus als Lamm Gottes gefeiert.

Woher kommt das? Diese Sache mit dem Lamm Gottes?

Das Motiv kommt aus dem Alten Testament. Aus der größten rettenden Erfahrung des Volkes Israel mit ihrem Gott: der Befreiung aus der Knechtschaft in Ägypten.

Andrea Capelli: Nach 9 Plagen, die Gott den Ägyptern schickte, um den Pharao zu bewegen, das Volk Israel in die Freiheit aus der Sklaverei zu entlassen, kommt die Zehnte. Gottes Engel wird alle Erstgeborenen in Ägypten töten. Damit der Todesengel an den Häusern der Israeliten vorbeigeht und nicht aus Versehen auch einen der israelitischen Erstgeborenen tötet, verabredet Gott mit Mose ein Zeichen. Alle Israeliten sollen die Türrahmen ihrer Behausungen mit dem Blut eines Lammes bestreichen. In diese Häuser, die so gekennzeichnet werden, wird der Tod nicht kommen. Gottes Strafgericht wird an ihnen vorübergehen.

Im Neuen Testament wird das Bild von Christus als das des Lammes darum zur ständigen Erinnerung daran, dass unter Berufung auf seinen Namen der Tod auch an unserem Haus vorübergehen wird. In Christus fällt zusammen, was eigentlich nicht zusammen gehört. Der sündige Mensch wird gerechtfertigt und gerettet. Kyrie, Gloria, Sanctus, Benedictus finden ihren Höhepunkt und ihren Treffpunkt in der Person Christis.

Das hören wir uns jetzt an, wenn wir diese drei Teile der Jazz Messe zusammen hören.

Vox Humana: Sanctus – Benedictus – Agnus Dei

Fürbitten

Hans: Großer, heiliger Gott, wir danken dir für deine Zuwendung zu uns Menschen trotz all der Fehler, die wir haben und die wir machen. Immer wieder gelingt es uns auch im Umgang mit dir nicht, unseren Glauben zu leben. Dann scheitern wir an dem Anspruch, Dich und die Menschen zu lieben.

Ulrich: Wir bitten dich, hilf uns weiterhin darauf zu vertrauen, dass du unser Rufen nach deiner Gnade hörst und schenke uns Freude am Lob deiner Heiligkeit.

Hilf, dass es uns gelingt, dich in Christus zu erkennen und trotzdem deine Unfassbarkeit zu ertragen.

Im Namen Jesu bitten wir um Frieden für diese Stadt, für unser Land, für die Welt.

Ulrich: Im Namen Jesu bitten wir um Gerechtigkeit unter den Menschen, die mehr ist als ein Wahlslogan. Wir bitten um Gerechtigkeit, die die Menschen in Nordkorea ebenso erreicht wie auf der Südseeinsel Tuvalu.

Hans: Im Namen Jesu bitten wir um Heimat für die Millionen von Flüchtenden. Zerbombte Häuser und von einer entfesselten Soldateska verwüstete Felder können keine Heimat bieten. Darum bitten wird dich: Lass echte Friedenssehnsucht auf alle verirrten oder irre gewordenen Politiker dieser Welt regnen.

Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt: Erbarm dich unser und gib uns deinen Frieden um den wir auch mit den Worten bitten, die du uns selbst gelehrt hast:

Vaterunser 

Lied ‚Verleih uns Frieden gnädiglich …‘ (aus Himmel und Erde)

Segen     

 

  

  

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