Letzter Sonntag nach Epiphanias

Gottesdienst am 5. Februar 2017

mit Predigt zu 2. Mose 3, 1 – 10 ‚Berufung des Mose‘

und mit Feier des Abendmahls

gehalten in der St Martin Kirche von Bramsche

von Superintendent Hans Hentschel mit Mitarbeitenden und der Kantorei 

 

Orgelvorspiel

Begrüßung

Kerzenanzünden

Eine/r:  Wir halten diesen Gottesdienst im Namen des Vaters. Wir bitten Gott, wenn wir die erste Kerze anzünden:  Du allmächtiger Gott, erbarme dich unser, und vergib uns unsere Sünde und führe uns zum ewigen Leben.

Eine/r: Wir halten diesen Gottesdienst im Namen des Sohnes. Um dieses Sohnes und um seiner Verheißung willen, dass er alle Tage bei uns sein will bis an die Enden der Erde, bitten wir, wenn wir die zweite Kerze anzünden: Nimm von uns, Gott, unsere Sünde  und gib, dass wir mit freiem und fröhlichem Herzen dir dienen und dich preisen durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Eine/r: Wir halten diesen Gottesdienst im Namen des Heiligen Geistes. Wir bitten angefüllt mit dem Heiligen Geist Gottes, wenn wir die dritte Kerze anzünden: Lass mich dein sein und bleiben, du treuer Gott und Herr, von dir lass mich nichts treiben, halt mich bei deiner Lehr.

Eine/r: Drei Kerzen brennen und wir sind zusammen im Namen des Vaters, der uns die Zeiten aus seiner Hand gibt, im Namen des Sohnes, der die Liebe predigt und im Namen des Geistes, der uns lehrt die Liebe zu leben.

Alle: Amen

Lied EG 262, 1 – 5 ‚Sonne der Gerechtigkeit …‘

Psalmgebet EG 719

Gebet

Gott, im Licht deiner Wahrheit erkennen wir uns, und das Feuer deiner Liebe bringt Wärme in unser Leben. Dafür sind wir dankbar. Wir bitten: Lass uns zeitlebens deine Wahrheit leuchten und schenke uns alle Tage die Wärme deiner Liebe

Selbst wenn wir Deinen Glanz, Gott, nicht fassen können, brauchen wir den Lichtblick einer Ahnung von dir in unserer so oft und immer wieder undurchschaubaren Welt. Wir brauchen Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir in der Einheit des Geistes lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

Schriftlesung Matthäus 17, 1 – 9

KV: Für uns ist es eine selbstverständliche Äußerung wenn wir sagen, dass Jesus Gottes Sohn ist. Dem Evangelisten Matthäus liegt es besonders am Herzen, dass die Menschen das begreifen. In Wundern und in Predigten erweist sich Jesus als Gottes Heiland und Helfer und in der heutigen Schriftlesung aus dem Matthäusevangelium lässt der Evangelist es deutlich von Gott sagen: ‚Dieser Jesus ist mein Sohn!‘ Das werden alle gleich hören. Ich lese aus dem Evangelium des Matthäus im 17. Kapitel die Verse 1 bis 9:

Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg. Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht.

Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm.

Petrus aber fing an und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören! Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht!

Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein.

Selig sind die, die das Wort Gottes hören, in ihren Herzen bewegen und dann auch tun. Halleluja!

Glaubensbekenntnis

Kantorei: Wunderbarer König

Predigt

Predigt zu 2. Mose 3, 1 – 10

Mose aber hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe über die Steppe hinaus und kam an den Berg Gottes, den Horeb.

Und der Engel des HERRN erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde.

Da sprach er: Ich will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt.

Als aber der HERR sah, dass er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich.

Gott sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land!

Und er sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.

Und der HERR sprach: Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre Leiden erkannt.

Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Lande in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt, in das Gebiet der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter.

Weil denn nun das Geschrei der Israeliten vor mich gekommen ist und ich dazu ihre Not gesehen habe, wie die Ägypter sie bedrängen, so geh nun hin, ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst.

 

Liebe Gemeinde,

Wundergeschichten sind Geschichten zum Wundern. Darüber sprechen wir im Konfirmandenunterricht und auch dieses ist eine Geschichte zum Wundern. Das erste Wunder: Gott nimmt sich einen Menschen, der seine Leute aus dem Elend führen soll. Was ist daran das Wunder? Wir haben uns daran gewöhnt, es zu hören und zu sagen, aber es ist wunderbar, dass es Gott nicht egal ist, dass sein Volk zu ihm schreit: Kyrie eleison! Herr erbarme dich und erlöse uns von der Bedrückung, die wir hier in der ägyptischen Sklaverei erfahren. Das erste Wunder: Gott will den Menschen helfen.

Das ist nicht selbstverständlich! Gott könnte ja auch sagen: ‚Was geht es mich an? Mir geht es in meinem Himmel gut und ob ich helfe oder nicht, ich bin und bleibe der Gott dieses Volkes.‘ Gott könnte seine Beine hoch legen und bedauernd mit den Schultern zucken: ‚Ihr Menschen macht ohnehin, was ihr wollt. Lasst mich mit eurer Sklaverei in Ruhe.‘

Ich finde es ein Wunder und nicht allein eine Geschichte zum Wundern, dass Gott sich anrühren lässt und den Mose beruft: ‚ich habe die Not meiner Leute gesehen. Ich will sie erretten. Du sollst meine Leute aus Ägypten führen!‘

Ja, das ist ein Wunder!

Ein Wunder, an das wir in der Bibel von Gestern in Zeiten von Heute erinnert werden, in denen sich Menschen an der Macht  aufspielen als seien sie Gott und sich vom Elend der Menschen abwenden.

Was ist an dieser Geschichte, die der Predigttext erzählt wunderbar? Ich habe die Konfirmanden gefragt und sie antworteten: Dass der Busch brennt und nicht verbrennt.

Ja! Das ist das zweite Wunder in diesem biblischen Textabschnitt.

Gibt es sowas heute noch?

Brennende Dornbüsche, die nicht verbrennen und aus denen Gott spricht?

Ja! Gibt es!

Aber nicht im wortwörtlichen Sinne. Da muss man schon das Übertragen lernen. Und das können wir lernen, wenn wir uns fragen: Was passiert in dieser Predigtgeschichte, die ich gelesen habe?

Gott macht auf sich aufmerksam. Er lenkt den Blick und das Interesse des Mose auf den Busch, in dem er sich verbirgt.

Gott macht auf sich aufmerksam und weist darauf hin, dass Gott Gott ist und nicht irgendein Hokus Pokus Zauberer, der sich eines Aufmerksamkeit heischenden Tricks bedient.

‚Hey, Mose! Wenn du mir nahe kommen willst, zieh dir erst mal die Schuhe aus!‘

Worum es jetzt geht, ist eine Unterbrechung des Alltags, der Routine, worum es jetzt geht, das ist etwas Besonderes und nicht das Normale, das Gewohnte. ‚Schuhe aus! Es geht ums Heilige!‘

Und dann gibt Gott dem Mose einen Auftrag zur Hilfe. ‚ich brauche dich als meinen Mitarbeiter, als meinen Helfer. Als meinen Helfer, damit anderen geholfen wird!‘

1. Brennende Dornbüsche, die nicht verbrennen und aus denen Gott spricht?! Gibt es sowas noch heute?   

Ich habe sie gesehen …

Als im Jahr 2015 im Herbst plötzlich und unerwartet fast 5000 Flüchtlinge in der Landesaufnahmestelle Hesepe unterzurbingen waren, als alle und jeder überfordert waren, als abgrenzende und ausgrenzende Töne einzelner Menschen sich in Wählerprozente für Parteien auswuchsen, die eine Höchstgrenze und Kontingente für das nicht kontengentierbare überschwappende Elend forderten, da meldeten sich bei uns in Bramsche 81 Freiwillige, die ‚irgendwie‘ helfen wollten.

Der Dornbusch brannte.

Gott lenkte den Blick auf diesen Busch.

Er verbarg sich darin mit den tausend Angesichtern der erschöpften, ruhebedürftigen Kinder und Erwachsenen, er verbarg sich im Elend.

Er erinnerte die Menschen an den Satz des Alten Bundes aber auch den Satz Jesu: ‚Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.‘

Gott wies auf die Besonderheit der Aufgabe hin, indem die Menschen nicht einfach so in ihrem Alltag weitermachen konnten oder wollten. In den Schränken wurde nach Hosen, Jacken, Hemden, Kleidern gesucht, die abgegeben werden konnten … auch Schuhe wurden ausgezogen ,die eigentlich noch gut genug waren und alles das wurde für die Kleiderkammer abgegeben.

Und überaus viele Menschen – verglichen mit den wenigen, die sich blind und taub stellten – hörten aus dem Dornbusch des Elends vor der eigenen Haustür heraus die Stimme Gottes: ‚Ich brauche dich als meinen Mitarbeiter. Als meinen Helfer, damit anderen geholfen wird.‘

Und als die Bramscher Nachrichten zur Hilfe aufriefen gab es eine Welle der Hilfsbereitschaft.

Ja! Es gibt den Dornbusch bis heute für uns.

Er gehört für uns Christen – obwohl sein Motiv aus dem Alten Testament stammt – in die unmittelbare Nähe zur Krippe und zum Kreuz. Auch diese sind Zeichen der Hilfsbereitschaft. Der Hilfsbereitschaft unseres Gottes, die uns zur Hilfsbereitschaft den Menschen gegenüber – ja wie soll ich sagen – einladen, mahnen, verpflichten?

Wo sind diejenigen in den Konfirmandenunterricht gegangen, die meinen, sie könnten gegen das Elend der Menschen Mauern bauen oder Kontingente schaffen?

Hat Gott eine Obergrenze für die, die zu ihm kommen wollen, um gerettet zu werden?

Hat Jesus jemals davon gepredigt, dass Gottes Reichtum nur für eine gewisse Menge ausreicht?

Nein und dieses Wissen um die Größe Gottes und den Reichtum Gottes und die Freude Gottes an der Hilfe für Menschen gehört doch in jede Bildungsveranstaltung christlichen Glaubens.

2. Mose zieht die Schuhe aus, als er vor dem brennenden Dornbusch steht. Die Begegnung mit Gott und mit seiner Berufung zur Hilfe für seine Leute hat offensichtlich auch etwas mit Respekt zu tun. Respekt vor der Begegnung mit dem Heiligen.

Ich sehe viel Respektlosigkeit in diesen Tagen vor der Aufgabe, allen Menschen eine lebenswerte Welt zu schaffen. Mich macht das Bild des amerikanischen Präsidenten, der die Unterschriften zum Mauerbau gegen Mexiko und für katastrophale umweltpolitische Entscheidungen stolz in die Kameras hält, ebenso hilflos und betroffen wie die Plakate und die Häme, die in unserem Land über der Bundeskanzlerin oder dem Bundespräsidenten ausgeschüttet werden, die für den christlichen Wert der Solidarität mit dem Leiden eintreten.

Die Berufung zum Mitarbeiter Gottes, zur Mitarbeiterin Gottes hat es offensichtlich ganz am Anfang auch damit zu tun, dass man nicht sich selbst für die größte und wichtigste Autorität hält und dass man nicht das Eigene für das allerwichtigste hält. Die Berufung hat es mit Respekt vor einer höheren Aufgabe zu tun.

Mose sagt nicht – viele wissen ja wie die Geschichte weitergeht: ‚Tut mir Leid, Gott. Ich muss ja hier die Schafe hüten und heute abend habe ich auch schon was vor und im Übrigen sind auch die nächsten sechs Wochen mit Terminen voll, sondern Mose wird sagen: Ich mache das! Ich lasse mich von dir, Gott, in den Dienst an den Menschen nehmen, die nach dir schreien.‘

Übrigens: Wir haben hier in unserer Kirche einen wunderbaren schmiedeeisernen Dornbusch stehen. Ich finde, wir müssten alle darüber nachdenken, ob er in seinem Versteck in der Box gut steht, oder ob man ihn nicht deutlicher sichtbar werden lassen sollte … als Denkmal unserer Aufgabe, mitten im Alltag auf Gott zu hören. Ich habe auch noch keine Idee, aber vielleicht haben Sie ja eine …

Amen           

Lied EG 495, 1 – 3 ‚O Gott, du frommer Gott …‘

Hinführung zum Abendmahl

Kantorei: Aller Augen, warten auf dich, Herre …

Der Herr sei mit euch … -

Die Herzen in die Höhe …-

Lasset uns danksagen dem Herrn unserm Gotte … -

Präfationsgebet

Kantorei: Heilig Heilig, Heilig

Vaterunser

Einsetzung

Christe, du Lamm Gottes

Einladung mit Friedensgruß

Austeilung

Dankgebet

Lied EG 612, 1 – 4 ‚Herr, gib mir Mut zum Brücken bauen …‘

Segen

Orgelnachspiel   

         

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