Okuli

Gottesdienst am 19. März  - Okuli –

mit Predigt zu Markus 12, 41 – 44

gehalten in der St Martin Kirche von Bramsche

von Superintendent Hans Hentschel

 

 

Glockenläuten

Orgelvorspiel

Begrüßung

Anzünden der Kerzen

Lied EG 351, 1 – 3 ‚Ist Gott für mich so trete ...’

Psalm EG 718 (Psalm 34)

Ehr sei dem Vater ...

Kyrie eleison ...

Chrise eleison ...

Kyrie eleison ...

Ehre sei Gott in der Höhe ...

Der Herr sei mit euch …

Tagesgebet: Allmächtiger Gott, du lässt uns das Leiden und Sterben deines Sohnes Jesus Christus zu unserm Heil verkündigen. Wir bitten dich für diesen Gottesdienst und für unser ganzes Leben: Gib uns ein offenes Herz, dass wir seine Liebe und seinen Gehorsam erkennen und ihm nachfolgen. Lass uns erkennen, dass du uns in Christus viel mehr gibst als wir jemals selbst geben können und hilf uns so, deinen Namen zu ehren. Das bitten wir durch unseren Herrn Jesus Christus, deinem Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

Schriftlesung 1.Könige 19,1-8

Die Schriftlesung erinnert uns an den Profeten Elia, der sich das Königshaus zum Feind gemacht hatte und der verfolgt wurde. Als es ihm besonders schlecht geht, wird er von Gott wieder aufgerichtet. Wir hören die Verse 1 bis 8 aus dem 1. Buch der Könige im 19. Kapitel. Zur Schriftlesung bitte ich aufzustehen:   

Und König Ahab sagte seiner Frau Isebel alles, was Elia getan hatte und dass er alle Propheten Baals mit dem Schwert umgebracht hatte. Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie du diesen getan hast!

Da fürchtete Elia sich, machte sich auf und lief um sein Leben und kam nach Beerscheba in Juda und ließ seinen Diener dort. Er selbst aber ging hin in die Wüste eine Tagereise weit und kam und setzte sich unter einen Wacholder und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug. So nimm nun, HERR, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter.

Und er legte sich hin und schlief unter dem Wacholder. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Und Elia sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen.

Und der Engel des HERRN kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.

Und Elia stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise  vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb, wo er Gott begegnen sollte.

Selig sind die, die das Wort Gottes hören, es in ihren Herzen bewegen und es dann auch tun. Amen

Glaubensbekenntnis

Lied EG 395, 1 – 3 ‚Vertraut den neuen Wegen ...’ (Klingelbeutel)

Predigt

Und Jesus setzte sich dem  Gotteskasten gegenüber und sah zu, wie das Volk Geld einlegte in den Gotteskasten. Und viele Reiche legten viel ein. Und es kam eine arme Witwe und legte zwei Scherflein ein; das macht zusammen einen Pfennig. Und er rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt als alle, die etwas eingelegt haben. Denn sie haben alle etwas von ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut ihre ganze Habe eingelegt, alles, was sie zum Leben hatte.

Liebe Gemeinde, Sie haben alle beim Gang in die Kirche heute morgen einen Cent geschenkt bekommen. Was soll das?

Gibt es für einen Cent noch irgendwas zu kaufen?

Das ist doch erbärmlich, nicht wahr ... ein Cent ...

Manche von Ihnen und euch werden ihn nachher in den Klingelbeutel oder in den Kollektenkasten werfen. Wir haben immer etliche Ein- und Zwei-Cent-Stücke darin.

Ein Cent ...

Viele von uns kennen aus den Zeiten der D-Mark diese sprichwörtlich herbei geredete Situation, dass ein Pfennigstück auf der Straße in einer Pfütze liegt. Vier, fünf Passanten gehen vorbei ‚Kuck mal, da liegt ein Pfennig!’ Bücken sich nicht danach. Was sollen sie auch damit? Eine o

der einer geht hin, macht sich die Mühe, hebt den Pfennig auf: ‚Wer den Pfennig nicht ehrt ist des Talers nicht wert.’      

Dieses Sprichwort hat den Währungswechsel meines Wissens nach nicht überlebt. Kein Mensch sagt: ‚Wer den Cent nicht ehrt ist des Euros nicht wert’.

Für einen Cent kann man sich nichts kaufen.

In meiner Kindheit gab es so kleine rote Lutscher – vielleicht erinnert sich jemand von den Älteren daran – weißer Plastikstiel und ein MiniLutschBonbon daran. Die kosteten einen Pfennig und wir haben uns immer wieder mal im Konsum 10 Stück für einen Groschen gekauft.

Heute kann man für einen Cent nichts mehr kaufen.

Und ihr Konfirmanden würdet es wahrscheinlich für einen ziemlich blöden Witz halten, wenn euch jemand in den Konfirmationsbriefumschlag einen Cent tun würde. Wenn der überhaupt auffiele ...  

Und niemand macht euch daraus einen Vorwurf. 

Ich habe von meiner Oma zur Konfirmation ein Lebkuchenherz geschenkt bekommen. Da war ein Fünf-Mark-Stück rein gebacken. 1971 als ich konfirmiert wurde, waren 5 Mark sicher noch viel mehr Wert als heute fünf Euro aber es war auch für damalige Verhältnisse ein lächerliches Konfirmationsgeschenk von einer Oma. Ich war enttäuscht ... und habe es im Grunde nie verstanden, dass sie so kniepig war.

2. Ach ja, das liebe Geld! Viele von uns könnten Geschichten erzählen, in denen es um Geld geht:

um Geld, das einen überrascht hat;

um Geld, das man gerade gut gebrauchen konnte;

um Geld, das einem fehlte;

um Geld, das Menschen auseinander gebracht hat ...

Und nun erzählt auch die Bibel vom Geld. Von einer Witwe, die ‚zwei Scherflein’ in den Kollektenkasten legt. Das Scherflein ist zu Luthers Zeiten die kleinste Münze, die es gibt. Eigentlich gibt es das Scherflein fast gar nicht, weil man damit nichts kaufen kann. Normal ist das 3 oder 6Scherflein Münzchen und manchmal wird einfach ein Pfennig durchgebrochen, wenn ein Scherflein benötigt wird. So rechnet Luther das ja auch in der Übersetzung: ‚Eine Witwe legte zwei Scherflein in den Kollektenkasten, das macht einen Pfennig.’

Wir könnten heute sagen: Da legt jemand einen halben Cent in den Kollektenkasten, denn – ich weiß gar nicht ob Ihnen das jemals so aufgefallen ist – einen Pfennig haben wir gar nicht mehr, denn ein Cent ist ja zwei Pfennige wert.

Aber genug gerechnet.

Jesus lobt diese Witwe für den Reichtum ihrer Gabe.

Erste Beobachtung, die mir sehr wichtig ist: Er macht damit die Gaben der Reichen kein bisschen verächtlich. Es ist gut, wenn in den Kollektenkasten oder in den Klingelbeutel vom Überfluss gelegt wird. Geld zu haben ist auch in der Kirche wichtig und sozusagen noch ein bisschen überzähliges Geld zu haben, ist sehr hilfreich.

Ich kenne eine Dame, die gibt nie etwas in den Klingelbeutel oder den Kollektenkasten, weil sie sagt: ‚Ich zahle ja schon mehr als reichlich Kirchensteuer ...’ Natürlich hat sie recht, aber die Gaben der Kollekte sind ein Obendrauf, das für Gutes weggegeben werden kann.

Nein! Jesus kritisiert die vielen Reichen, die viel in den Kasten einlegen überhaupt nicht. Vielleicht müssen wir alle das immer noch ein bisschen lernen: Das Lob der Einen ist nicht automatisch das Kritisieren der anderen.

Bei uns in Marburg kamen zwei zehnjährige Mädchen auf die Idee, für Straßekinder in Äthiopien zu sammeln, von denen sie im Kindergottesdienst gehört hatten. Die beiden gingen in ihrer Nachbarschaft von Haus zu Haus und baten um Spenden und am Ende konnten sie im Pfarramt ‚stinkestolz’ 27, 86 Euro abgeben. Sie fanden das einfach einen großartigen Erfolg. Im Gemeindebrief wurde diese Aktion mit Foto und Artikel hervorgehoben: ‚27,86 Euro für den guten Zweck gesammelt von Kim und Nora!’ und Nora und Kim bekamen eine Urkunde, auf denen ihnen bestätigt wurde, dass sie ‚gute Menschen’ sind.

Den Frauenarzt, der diese 27,86 Euro um 222,14 Euro erhöhte - damit am Ende 250,- Euro dabei herauskamen – und der natürlich eine Spendenquittung für diese großherzige Tat bekam erwähnten wir anonym im letzten Satz. Und jeder fand das in Ordnung.

3. Zurück zum Anfang. Alle haben einen Cent geschenkt bekommen. Das sind umgerechnet vier Scherflein. Dafür kann man sich nichts kaufen ...

Stimmt! Da gibt es doch diesen Spruch: ‚Dafür kann ich mir nichts kaufen ...!’

Für ein freundliches Wort, für ein Danke Schön, für eine hilfreiche Geste ... ‚Dafür kann ich mir nichts kaufen ...’ aber trotzdem ist es unglaublich viel Wert.

Hoffentlich hat jede und jeder das schon mal erlebt, dass etwas ‚unglaublich viel Wert’ hatte, das im Sinne von Kaufbarkeit oder Verkaufbarkeit gar nichts wert war.

Für ein ‚Ich liebe dich ...’ kann man sich nichts kaufen, aber es ist viel Wert.

Von der Witwe wird im Predigttext gesagt, dass die zwei Scherflein alles sind, was die Witwe an Geld besitzt. Jesus sagt: ‚Diese Frau hat ihre ganze Armut in den Kollektenkasten gelegt’. Das wird von ihm gelobt.

Die Witwe geht aus dem Gottesdienst heraus und ist von Gottes Wort so erreicht worden, dass sie begriffen hat, dass das Leben nicht darin besteht, dass man sich an das klammert, was man hat oder was man nicht hat.

Das Scherflein, von dem hier erzählt wird, wird von Jesus zur Währungseinheit des Gottvertrauens erklärt.

Gottvertrauen, Vertrauen überhaupt ist eine Münze, von der viele Menschen meinen, dass man sich dafür nichts kaufen kann.

Zwei Scherflein Vertrauen ergeben noch nicht mal für einen Cent Sicherheit, aber das Scherflein, von dem uns als Predigtgemeinde erzählt wird, ist als Währungseinheit für Vertrauen die Leitwährung des Glaubens.

So verstanden geht es bei dieser denkwürdigen Kollektengeschichte, die ja auch etwas peinlich ist ... stellen Sie sich mal vor, einer von uns aus dem Kirchenvorstand oder ich würden am Kollektenkasten stehen und hingucken, was die Einzelnen reinlegen, so wie Jesus das hier macht ... so verstanden geht es bei dieser denkwürdigen Kollektengeschichte gar nicht um Geld, sondern um Glauben.

Dann lobt Jesus hier im Markusevangelium auch nicht in Wirklichkeit die Opferbereitschaft der Witwe, sondern er lobt ihr Gottesverhältnis, weil sie alles materiell Sichernde hergeben kann, um sich auf einen für sie sorgenden und das Leben sichernden Gott einzulassen.                

Es geht um den Glauben, der sich ausliefert. ‚Ich vertraue darauf, dass Gott mein Leben trägt.’

4. Ich bin in den vergangenen Tagen während meiner Fortbildung in München auf ein Buch gestoßen, in dem ein Sozial- und Religionswissenschaftler behauptet, dass der größte Feind des Christentums in unserer bundesdeutschen Gesellschaft nicht der Unglaube oder irgendeine andere Religion sei, sondern der Materialismus. Mit diesem Fremdwort ist gemeint: Der größte Feind des Christentums in unserem Land ist das Gefühl, das viele Menschen haben, dass ein glückendes Leben ausschließlich darauf beruht, wie viel man hat. Das Haben und das Habenwollen – so sagt dieser Wissenschaftler – ist die Religion von vielen Menschen geworden. Sie verwechseln die Seligkeit, die es immer auch mit sich bringt, wenn man etwas Schönes kaufen kann, wenn man einen tollen Urlaub machen darf, wenn man Superkleidung und ein hochmodernes Auto hat mit der Ruhe, die der christliche Glaube der Seele zu geben vermag. Und dann geraten diese an den Materialismus glaubenden Menschen in großen Druck und großes Leiden, wenn alle diese Dinge nicht wirklich und nicht dauerhaft zum Lebensglück beitragen.

Sehen wir es doch mal so, was uns der Evangelist Markus im Predigttext von heute erzählt: Die Witwe hat erkannt, dass der Glaube an Gott auch dann noch das Leben retten kann, wenn man ansonsten total pleite ist. Mir fällt es schwer, diesen Glauben zu leben. Ich möchte mich noch an etwas anderem festhalten ... und darum hatte ich die Idee mit dem Centstück, das ich Ihnen und euch heute mitgebe.

Es gibt eine Geschichte, die erzählt von einem klugen Mann, dem eine gute Fee einen Wunsch frei gibt. Und der kluge Mann wünscht sich: ‚Neben einem fröhlichen Gemüt, neben der Gewissheit, auch an schlechten Tagen nicht allein zu sein, wünsche ich mir, dass ich in meinem Portmonee oder auf meiner Bank immer einen Pfennig mehr haben kann, als ich gerade aufgebraucht habe.’

Nehmt das Centstück mit, glaubt daran, dass Gott euer Leben in guten und in bösen Zeiten sichert und lasst euch von diesem oder jedem anderen Centstück immer mal daran erinnern, dass die Liebe Gottes so unendlich wertvoll sie auch sein mag für noch weniger als zwei Scherflein weggegeben wird: für umsonst! Amen                

Lied EG 604, 1 – 3 ‚Wo ein Mensch Vertrauen gibt ...’

Fürbitten

Vaterunser

Lied EG 445, 1 + 5 ‚Gott des Himmels und der Erden ...’

Segen

 

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