Septuagesimä

Gottesdienst am 12. Februar 2017

Thema: Der eigensüchtige Riese

gehalten in der St Martin Kirche von Bramsche

von Superintendent Hans Hentschel

 

Glockenläuten

Orgelvorspiel

Lied EG 454, 1 – 6 ‚Auf und macht die Herzen weit …‘

Psalm

Kyrie eleison

Christe eleison

Kyrie eleison

Ehre sei Gott in der Höhe

Der Herr sei mit euch

Tagesgebet: Herr Gott, himmlischer Vater, wir können mit dem, was wir tun, vor dir nicht bestehen. Und da bitten wir dich, dass du uns hilfst, dass wir uns allein auf deine Gnade verlassen und alles, was uns belastet und niederdrückt, durch deine Hilfe überwinden können. Wir sind ja angewiesen auf deine Güte und Liebe. Wir bitten dich: hilf uns selber gütig zu sein, und dem Leben der Anderen mit Achtsamkeit und zuverlässiger Hilfsbereitschaft zu begegnen.

Schenk uns die Kraft deines eigenen Lebens: deinen Sohn Jesus Christus, Gnade und Treue, die unser Begreifen übersteigt - heute und alle Tage, die wir erleben. Das bitten wir im Namen Jesu, der mit dir in der Einheit es Geistes lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

Schriftlesung aus Matthäus 20, 1 – 6

Die heutige Schriftlesung bietet uns eine neutestamentliche Zumutung an. Es wird davon erzählt, dass Jesus nicht danach handelt, wieviel jemand hat oder kann, sondern dass er sich allein von der der Liebe leiten lässt, die will, dass allen Menschen geholfen werde. Ich lese aus dem Matthäusevangelium im 20. Kapitel die bekannte Geschichte von den Arbeitern im Weinberg:   

Denn das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen. Und als er mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen als Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg. Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere müßig auf dem Markt stehen und sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und um die neunte Stunde und tat dasselbe. Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere und sprach zu ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag müßig da? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand eingestellt. Er sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg. Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den letzten bis zu den ersten. Da kamen, die um die elfte Stunde eingestellt waren, und jeder empfing seinen Silbergroschen. Als aber die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und auch sie empfingen ein jeder seinen Silbergroschen. Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben. Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen? Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem Letzten dasselbe geben wie dir. Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du scheel drein, weil ich so gütig bin? So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.

Selig sind die, die das Wort Gottes hören, es in ihrem Herzen bewegen und dann weiter erzählen. Halleluja .

Glaubensbekenntnis

Lied  EG 346, 1 – 3 ‚Such, wer da will ein ander Ziel …‘

Predigt

Liebe Konfirmanden, liebe Gemeinde,

schon oft habe ich auf dieses kleine blaue Heftchen hingewiesen. Das Losungsbüchlein. Für jeden Tag des Jahres steht darin ein biblischer Spruch aus dem Alten und ein biblischer Spruch aus dem Neuen Testament. Die beiden Sprüche heute für den 12. Februar haben es mit Zuwanderung zu tun. Damit, dass Menschen aus der fremde kommen, um sich mit denen, die Gott im Leben gelten lassen, zusammen zu tun.

Der Losungstext aus dem Alten Testament für heute: Ihr werdet Völker rufen, die Ihr nicht kennt; und Völker, die euch nicht kennen, werden begierig zu euch zu kommen, wenn sie sehen, was ich, Gott, an euch tue. Hier geht es nicht darum, dass Menschen kommen, um sich deutsche Sozialleistungen zu erschleichen, sondern Menschen wollen kommen, die sich mit Gott zusammen tun wollen. Die sich darüber wundern, was Gott Großes für uns tut.

Der Lehrtext aus dem Neuen Testament für heute: Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tische sitzen werden im Reich Gottes. Hier geht es nicht darum, dass Menschen kommen, die möglicherweise unser Land ‚überfremden‘ – was für ein blödes Wort – sondern die kommen, um mit uns die reichen Güter Gottes zu teilen. Es geht nicht darum, etwas wegzunehmen, sondern es geht darum gemeinsam am Tisch zu sitzen und Reichliches zu teilen.

Ich finde es jeden Morgen neu schön, die Losungen zu lesen – man kann die auf dem Handy als App runterladen – und mir in meinen Alltag und in die politische Welt Gottes Wort sagen zu lassen. Für heute ist es dieses Wort: Hab keine Angst wenn Andere kommen!

Und da gibt es eine Geschichte, die ich gern erzähle und weil ich euch am vergangenen Sonntag versprochen habe, dass es heute nicht so schwere Kost in der Predigt wird, wie an den beiden letzten Sonntagen, habe ich euch zu dieser Geschichte auch noch Bilder gemalt. Die Geschichte, in der es ums Behalten und ums Teilen geht geht so:      

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1. Da gibt es einen wunderbaren Garten in der Mitte einer Stadt mit vielbefahrenen Straßen. Ach was, eigentlich ist das gar kein Garten, sondern es ist ein Park. Die Kinder aus diesem Viertel und auch aus den Nachbarvierteln kommen täglich in diesen Park und spielen. Da steht zwar ein Schild: Privatbesitz! Aber daran stört sich niemand, denn die Mauer, die um den Park gebaut ist, ist löcherig wie ein kariöses Gebiss. Ruckzuck ist man durch und drin … im herrlichen Park.

Das geht lange gut. Der Park wird zum Treffpunkt für alle, die spielen wollen. Aber eines Tages fangen Maurer an, die Mauer zu erneuern. Der Park mit dem herrschaftlichen Haus in der Mitte, das schon ein bisschen runtergekommen war, ist verkauft worden. Der neue Besitzer stellt gleich mehrere Schilder auf. ‚Privatbesitz! Betreten verboten! Eltern haften für ihre Kinder!‘

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Als die Maurer mit ihrer Arbeit fertig sind, hat sich das mit dem Spielen im Park erledigt. Hin und wieder trauen sich mal zwei oder drei über die Mauer zu klettern, aber ruckzuck kreuzen dann zwei Dobermänner auf, vor denen man sich nur durch gewagtes Rückwärtsklettern retten kann.

Die Kinder sind traurig.

Der neue Besitzer grinst.

Mein Park! Meine Bäume! Mein Garten! Mein Rasen! Meine Blumen!

Nun geschieht aber etwas Seltsames im Park oder mit dem Park oder wie man es nennen soll.

Die Jahreszeiten verabschieden sich. Es gibt im Park keinen  Frühling, keinen Sommer und keinen Herbst mehr. Es bleibt im Park immer Winter. Die Bäume stehen da, haben keine Blätter, die Blumen bleiben in der Erde, das Gras wächst nicht mehr, die Vögel singen nicht, Schmetterlinge gibt es sowieso nicht und im Großen und Ganzen herrscht im Park ein Dauerfrost.

Der neue Besitzer – Herr Riese – wundert sich und heizt und heizt und heizt.

Vor dem Park ist Sommer. Im Park ist Winter.

Vor dem Park T Shirtwetter, im Park Wollpulloverwetter!

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Die Kinder erzählen sich an der Mauer wie schön es im Park war als sie da noch spielen durften. ‚Jetzt wohnt da der Herr Riese. Der will nicht, dass wir da spielen. Der sagt: Der Park ist meiner und sonst soll ihn niemand haben!‘  Die flotte Vera sagt: ‚So ein eigensüchtiger Riese!‘ Der dicke Boris kennt die schönen Wiesen nur noch aus Erzählungen.

‚Eigenartig,‘ denkt sich Herr Riese in seinem Wintergarten. Hat einen dicken Wollpullover an, drüber einen dicken Wintermantel, hat einen Schal um und eine Pelzmütze auf. ‚Eigenartig, dass es in meinem Park so gar nicht Frühling werden will.‘

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Eines Tages entdecken Kinder ein Loch in der Mauer und krabbeln durch. Und weil die Dobermänner aus Versehen im Keller eingesperrt wurden, können die Kinder anfangen im Park zu spielen. Und da, wo die Kinder spielen wird es warm. Da kriegen die Bäume grüne Blätter, da singen die Vögel, da tanzen die Schmetterlinge, da kommen die Blumen aus der Erde.

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Aber dann lässt Herr Riese doch die Dobermänner los, die Kinder fliehen, der Frost kehrt zurück.

‚Eigenartig,‘ denkt sich Herr Riese und prüft, woran das liegen kann.

‚Mein Garten müsste grünen, es müssten Vögel singen, es müsste ein Meer aus Blumen sein … Ich verstehe das nicht.‘

Als einmal seine Tante zu Besuch kommt, die in der Familie so genannte fromme Friede, sagt die: ‚Ich hatte mich auf den Park gefreut. Ich hatte den Park so schön in Erinnerung … und jetzt ist es so kalt darin, dass ich gar nicht spazieren gehen möchte obwohl es doch Sommer ist.‘

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‚Und ich erinnere mich an die vielen Kinder, die darin spielten und die Paare, die darin Händchen hielten, und die Alten, die auf den Wiesen saßen …‘.

‚Damit habe ich Schluss gemacht,‘ saget Herr Riese. ‚Es ist schließlich mein Garten und mein Park!‘

‚Verstehe,‘ nickte die fromme Tante Friede. ‚Dann weiß ich auch warum es hier so kalt ist.‘

‚Warum?‘

‚Das musst du selber rauskriegen …‘ verabschiedet sich die fromme Tante Friede. ‚Ich lebe lieber in der Sonne.‘

Und da reist sie ab.

2. Es ist keine Kunst, rauszukriegen, was den Winter in Herrn Rieses Garten bleiben lässt.

Die Geschichte ist – manche haben es vielleicht gemerkt - so halb von Oscar Wilde gestohlen, der sein Märchen ‚Der eigensüchtige Riese‘ nennt.        

Jesus hat gegen die Eigensucht gepredigt. Er hat Menschen um sich versammelt, die meinten, dass das Leben vor allem nach ihrer Nase gehen müsste und er hat ihnen gesagt, dass Entscheidendes fehlt, wenn es kein Teilen im Leben gibt, wenn es kein Kümmern im Leben gibt, wenn man vor allem darauf bedacht ist, an sich zu denken und das Seine zu schützen.

Jesus hat nicht die Geschichte von Herrn Riese erzählt, aber er hat von einem Mann erzählt, der großen Reichtum angehäuft hatte. Wie Dagobert Duck baute er sich neue Speicher für seinen Reichtum aber er konnte ihn nicht genießen, weil er starb bevor er es sich gut gehen lassen konnte. Bestimmt tut dieser reiche Mann Jesus Leid. Aber Jesus sagt auch: ‚Es nutzt nichts, wenn man unglaublich reich ist, wenn man den schönsten Park der Welt hat und wenn man nicht dazu bereit ist, diesen Reichtum mit Gott und den Menschen zu teilen.

Christliches Leben, von dem wir als Kirchen wachsam reden und im Blick auf aktuelle politische Ereignisse noch wachsamer und noch überzeugter sprechen müssen, ist ein Leben, das sich der Aufgabe stellt, das Leben der anderen Menschen mit Glück zu würzen oder mit Licht zu erhellen.

Zum Grundwissen eines Christenmenschen gehört es, dass geteilte Freude immer auch doppelte Freude sein kann und dass die Liebe zu den Menschen, den Frost aus dieser Welt vertreiben kann.

Es geht im christlichen Leben nicht darum, immer wieder den eigenen Anspruch und das Eigene zu betonen, sondern es geht darum, so zu leben, wie Gott es mag.

Nicht allein nach der eigenen Nase, sondern immer auch mit der Frage: Was tut den anderen gut?

tl_files/Kirchenkreis Bramsche/Kirchenkreis/GrafikSup/Septuagesimae 13.png3. Wie geht die Geschichte von Herrn Riese und seinem Garten aus?    Na klar! Es gibt ein Happy End! Herr Riese erkennt nicht nur, dass es ein Irrtum war, seinen Garten nur für sich haben zu wollen, sondern er beginnt sogar mit den Kindern Kontakt aufzunehmen. Heißt sie willkommen, spielt mit Ihnen und verkauft die Dobermänner an einen Schrotthändler aus der Nachbarschaft, dessen Grundstück sie nun aufmerksam bewachen.

Ach, dass doch unsere Welt so würde. Durch Jesus Christus. Amen

 

Lied EG 182, 1 – 5 ‚Suchet zuerst Gottes Reich in dieser Welt …‘

Abkündigungen

Lied 268, 1 – 4 ‚Strahlen brechen viele …‘

Fürbitten – Vaterunser – Segen – Orgelnachspiel 

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