Gendergerechtigkeit ist kirchliche Herausforderung

Die Gerechtigkeit ist zweifelslohne die angestammte Aufgabe der Kirche – auch die Geschlechtergerechtigkeit. Ob tatsächlich die Gleichberechtigung in allen Bereichen von evangelischer Kirche und Diakonie umgesetzt wird, wurde zur Aufgabe der Steuerungsgruppe „Gender“ im Kirchenkreisverband Osnabrück -Stadt und -Land. Das Ergebnis, das jetzt vorgestellt wurde, bot zwar keine Überraschungen, es soll aber neue Weichen für mehr Chancengleichheit in den Kirchengemeinden, kirchlichen Gremien und diakonischen Berufsfeldern stellen.
Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen im kirchlichen und diakonischen Bereich ist selbstverständlich, aber wird sie auch umgesetzt? „Darüber wollten wir Klarheit haben, wir haben genau nachgesehen und nachgefragt“, sagten Doris Schmidtke, Diakoniepastorin, und Frieder Marahrens, Leiter der Ev. Erwachsenenbildung. Sie stellten das Ergebnis unter dem Titel „Männer und Frauen im Ev.-luth. Kirchenkreisverband Osnabrück -Stadt und-Land und in der Diakonie – Gender in Zahlen“ vor. Es ist ein Faltblatt mit Zahlen und Grafiken, die eine deutliche Sprache sprechen. Zusammengefasst lautete das Resultat so: Je höher die Position in Kirche und Diakonie, desto größter der Männeranteil.
Von zehn Geschäftsführerämtern ist nur eines weiblich besetzt. Kirchenleitungen liegen hauptsächlich in männlicher Hand. Die sogenannten „weichen“ Ausschüsse in kirchlichen Gremien, wie Diakonie, Bildung oder Partnerschaft, sind größtenteils von Frauen besetzt, die „harten“ Ausschüsse, in denen es um Entwicklung, Planung und Finanzen geht, gehören den Männern.
Dabei ist der Anteil der Kirchenmitgliedschaft bei den Frauen höher. Sogar 70 Prozent aller Ehrenamtlichen sind Frauen, erläuterten Superintendent Hans -Georg Meyer -ten Thoren und Diakonin Rita Steinbreder.
Auch im diakonische Bereich, also in der Pflege und Betreuung, arbeiten zu 76 Prozent Frauen, der Anteil der Teilzeitkräfte in der Diakonie liegt bei 83 Prozent. Die Leitung von diakonischen Einrichtungen übernehmen dagegen -bis auf Kita-Leitungen- wieder Männer. Pflege ist weiblich und wird schlecht bezahlt. „Wir müssen auch die Frage stellen, was uns Pflege wert ist, so Sabine Weber, Geschäftsführerin im Diakoniewerk Osnabrück.
Die Gendergerechtigkeit ist für Hella Mahler, Gleichstellungsbeauftragte der evangelischen Landeskirche Hannovers, ein gesellschaftliches Problem, insbesondere eine Aufgabe der Kirchenleitungen. Sie dankte der Osnabrücker Steuerungsgruppe, die mit dieser Erhebung ein Pilotprojekt startete. Auslöser dafür sei der Gleichstellungsatlas der EKD gewesen. Der Kirchenkreisverband Osnabrück habe nun als erster eine IST-Analyse parat, aus der sich Grundlagen für Konsequenzen ergeben. Dass Gendergerechtigkeit in Kirche und Diakonie ein langer Weg sei, machte die Gleichstellungsbeauftragte deutlich. „Wir sind eben durch Traditionen geprägt“, so Mahler.
Für die Steuerungsgruppe ist die Arbeit nicht beendet, sie wird jetzt die Probleme der Gendergerechtigkeit aktiv angehen, zunächst in der Vorstellung der Ergebnisse, dann in Diskussionen und Forderungen in kirchlichen und diakonischen Gremien.

tl_files/Kirchenkreis Bramsche/Kirchenkreis/GrafikAktuell/2016-11/genderamtisch.jpg

Der erste Schritt zu mehr Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern wurde mit einem Faltblatt vorgestellt. Jetzt wird an der Umsetzung in Kirche und Diakonie gearbeitet; stehend: Rita Steinbreder, Hans-Georg Meyer-ten Thoren, Sabine Weber, sitzend: Hella Mahler, Frieder Marahrens, Doris Schmidtke

Zurück