Jahresempfang 2016

Mit Tischreden von Katharina Luther, der Ehefrau des Reformators, ging der Kirchenkreis Bramsche am 1. November im Rahmen seines Jahresempfangs in das Lutherjahr.

Im Wettlauf mit der Orgel malte Hans Hentschel den Luther live

Die Berliner Schauspielerin Elisabeth Haug, begleitet vom Gitarristen Jacob Pampuch, ließ die lebenstüchtige Ehefrau von Martin Luther für rund eine Stunde im Altarraum von St. Martin lebendig werden, inszeniert nach Christine Brückners „Wenn du geredet hättest, Desdemona“ 
Zuvor begrüßte Superintendent Hans Hentschel die geladene Gäste aus Kirche, Vereinen und Politik zu dieser „Gelegenheit zum Gespräch und Kennenlernen in lockerer Runde. Wir leben gerne als evangelische Kirche unter den Menschen hier, gemeinsames Leben vor Ort, das ist Kirchenkreisempfang.“ 
Bevor das darstellende Programm startet, lieferten sich Eva Gronemann und Hans Hentschel zur stillen Erheiterung des Publikum noch eine Art Wettlauf zwischen der Herstellung eines Lutherbild durch den Superintendenten und Variationen auf der Orgel.
„Martinus“ nannte Elisabeth Haug als Katharina Luther ihren imaginären Gatten an der gedeckten Tafel. Dort beklagte sie zu Beginn der Tischreden die Armut aufgrund der vielen Esser an der lutherischen Tafel, wo es bis zu 50 Leute zu versorgen galt. 
Elisabeth Haug ließ Katharina Luther als selbstbewusste Frau auftreten, die den Gehorsam der Frau gegenüber dem Manne hinterfragte. Und die auf ihre notwendige Geduld im Zusammenleben mit dem Prediger an ihrer Seite aufmerksam machte. „Du bist ein Mönch und ich eine Nonne geblieben“, die Lust aneinander war für Katharina Luther und ihren Mann stets mit Scham verbunden. 
Mit einem Krug Bier, gemeinsam im Schlafzimmer getrunken, versuchte die wackere Frau diese Scham zu beseitigen.
„Wenn Frieden in jedem einzelnen Haus ist, dann ist Frieden im ganzen Land“, gehörte zu den tiefen Weisheiten, die Elisabeth Haug in der Rolle der Ehefrau des Reformators den 200 Gästen zu Gehör brachte. 
Katharina sah sich nicht als Schönheit, weder war sie reich, noch eine gute Hausfrau. Aber sie war sich sehr wohl ihres Wertes für Martin Luther bewusst. Nicht auf den Mund gefallen, loyal und ihren Mann auf dem Boden der Tatsachen haltend, im Hintergrund bleibend zwar jedoch voller Stolz, dieses Bild ergab sich aus den ihr zugeschriebenen Tischreden.
Tee gegen Unlust, gesiedet in Rotwein, derartige Hausmittel wandte Katharina Luther öfter an. Ihr Anliegen war es, Freude und die Abwesenheit von Plagen bei ihrem dick gewordenen Mann zu erzeugen. Der Gemahl sollte nichts anderes leben, als er schrieb. „Den Teufel treibt man mit Lachen aus dem Haus“, auch dies entsprang der Klugheit von Katharina Luther. 
Elisabeth Haug zeigte die innere Stärke, die Trost schenkende Gabe und auch die Fähigkeit nach vorne, anstatt rückwärts zu blicken von Katharina Luther auf. 
In ihren Darstellung kam eine kritische, wach hinterfragende aber dennoch wohlwollende und auch ganz praktisch liebevoll reflektieren Frau zum Vorschein. Katharina Luther erschien als die rundum patente Partnerin eines in der Außenwirkung großen Luthers, der bei ihr den Raum vorfand, verzagt, zweifelnd und manchmal kleinmütig zu sein. Mit einem starken Glauben und einer treuen Zugewandtheit zu ihrem Mann versehen, nahm sie ihr Leben in die Hand, das wahrlich nicht immer beschwerdefrei verlief. 
„Vom Ruhm wird keiner satt“, unter diesem Damoklesschwert stand Katharina Luther öfter. Aber sie blieb Vorbild darin, das Danken nicht zu vergessen. 
Der Glauben sei ein schweres Handwerk, diesem Klagen ihres Mannes trat Katharina Luther mit Ernst aber ebenso mit Humor entgegen. 
„Pferdemist in Wein gekocht, ausprobiert bei der Stute und dem Hund, und wenn du es nicht trinken willst, dann huste auch nicht“, derart handfest konnte der Pragmatismus sein, mit dem sie die Gesundheit unter ihrem Dach aufrecht erhielt. 
„Weinen ist besser als hadern“, auf diese Weise ging Katharina Luther mit dem Verlust eines ihrer Kinder um, in dessen Tod sich für sie der Wille Gottes ebenfalls offenbarte, wenn auch in leidvoller Form. Nicht nur hierin unterschied sich die fiktive Katharina Luther von ihrem Mann, der zwar täglich mehrfach das Vaterunser betet, jedoch, anders als seine starke Frau, auch haderte.
Mit Ehrungen langjährig im Kirchenkreis tätiger Erzieherinnen, einer Gelegenheit zum Gespräch bei Getränken und Käse sowie einer abschließenden Andacht endete schließlich der Jahresempfang des Kirchenkreises Bramsche.

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