Die Orgel der Dorotheen-Kirche

In ihrer jetzigen Form ist es die dritte Orgel in unserer Kirche.

Als die Kirche 1860 erbaut wurde, gab es im bis dahin benutzten Betsaal des Gutes Loxten eine kleine Orgel, die für die neu erbaute Kirche jedoch nicht zu verwenden war.

Trotz der nicht vorgesehenen Mehrkosten von 700 Reichsthalern bestand die Gemeinde auf einen sofortigen Einbau einer neuen Orgel, da ein Gottesdienst ohne Orgel eben kein Gottesdienst sei.

Man wollte auf die "Königin der Instrumente" nicht verzichten.

Die erste Orgel, die dann eingebaut wurde, hatte schätzungs-weise 6 bis 8 Register, von denen 2 aus einer alten Orgel in Buer stammten.

Register einer Orgel nennt man die Pfeifenreihen, deren Pfeifen aus Zinn oder Holz bestehen. Es stehen so viele Pfeifen auf einer "Windlade" wie die Orgel Tasten auf der Klaviatur hat.

Die Pfeifen werden durch Drücken der Tasten, bei dem ein Luftstrom freigegeben wird, zum Klingen gebracht. Je nach Größe und Material der Pfeife erklingt ein hoher oder tiefer Ton in einer bestimmten Klangfarbe.

Register haben alle Namen, auf die wir noch zu sprechen kommen.

Diese erste Orgel tat 43 Jahre lang ihren Dienst zum Lobe des Herrn. Die Gründe für einen Neubau sind urkundlich nicht überliefert. Vielleicht lohnte eine Reparatur nicht mehr oder die "Kangansprüche" waren größer geworden.

1903 jedenfalls gab man bei der Hoforgelbaufirma Furtwängler und Hammer in Hannover eine neue Orgel in der damals üblichen pneumatischen Traktur, bei der stets die ganze Orgel unter Winddruck steht, in Auftrag. Sie war ausgerüstet mit 3 Werken und 14 Registern.

 

Diese hatten folgende Bezeichnungen:

Hauptwerk:

1. Bordun 16'
2. Prinzipal 8'
3. Gamba 8'
4. Offenflöte 8'
5. Dolce 8'
6. Oktav 4'
7. Mixtur 2-3-fach

Oberwerk:

1. Aeoline 8'
2. Gedackt 8'
3. Salicional 8'
4. Harmonieflöte 4'

Pedalwerk:

1. Subbass 16'
2. Prinzipalbass 8'
3. Cello 8

Insgesamt 766 Pfeifen.

Zum Vergleich: Die größte Orgel der Welt steht in Atlantic City, USA. Sie hat 1233 Register und 32.882 Pfeifen.

Unsere Orgel wurde in den Turm gestellt, was der Klangwirkung schon immer abträglich war. 1935 sollte sie durchgreifend repariert und umdisponiert werden, doch letztendlich verhinderte der zweite Weltkrieg das ganze Vorhaben an der Orgel.

Wegen vieler anderer notwendiger Arbeiten wurden die an der Orgel immer wieder zurückgestellt. Erst das bevorstehende 100 jährige Kirchenjubiläum brachte eine Wende. Die kirchliche Aufsichtsbehörde konnte vom damaligen Kirchenvorstand zum Handeln bewegt werden.

Unter der Bedingung, ein völlig neues Werk in der heute wieder üblichen mechanischen Traktur zu bauen, stellte man eine hohe Beihilfe in Aussicht. Außerdem sollte die Orgel außerhalb des Turmes erstellt werden.

So gab man denn am 25. Januar 1960 den Auftrag für eine neue Orgel an die Firma Hammer in Hannover, hoffend, dass diese zum Jubiläum im Oktober geliefert würde. Das muss wohl nicht ganz geklappt haben, denn die Orgel wurde erst am 12. April 1964 eingeweiht.

Der Prospekt der alten Orgel, das ist der sichtbare Teil, den man vom Kirchenschiff aus sieht, war so vom Holzwurm befallen, dass man beschloss, ihn völlig neu zu gestalten. Dies wurde in Zusammenarbeit mit dem Landeskonservator in Hannover getan, der sogar auf die Farbe des Orgelprospektes Einfluss nahm.

 

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Die neue Orgel hat insgesamt 14 Register mit 1.046 Pfeifen, von denen 86 nur aus Holz bestehen. Alle anderen Pfeifen sind aus einer Zinnlegierung hergestellt. Die kleinste Pfeife misst etwa 10 cm, die größte 2,40 m. Die Orgel besitzt folgende Disposition:

Hauptwerk:

1. Prinzipal 8' (im Prospekt)
2. Rohrflöte 8'
3. Oktave 4'
4. Quinte 2 2/3'
5. Gemshorn 2'
6. Mixtur 4-fach

Brustwerk:

7. Gedackt 8'
8. Gedackte Blockflöte 4'
9. Oktave 2'
10. Terzian 2-fach
11. Zimbel 2-fach
Tremulant

Pedalwerk:

12. Subbass 16'
13. Gedackt 8'
14. Rauschbass 3-fach
Manualkoppel
Pedalkoppel

Die kleinen Häkchen hinter den Zahlen sind die Bezeichnungen für die Länge der Pfeifen im Fuß. Gemessen wird dabei immer die am tiefsten klingende Pfeife des entsprechenden Registers. Bei gedackten Registern ist die Oberseite der Pfeife geschlossen. Sie klingen bei halber Länge doppelt so tief.

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In den 2000er Jahren wurden Schäden an einigen Pfeifen im Principal 8' entdeckt: sie sackten am sogenannten Aufschnitt allmählich in sich zusammen. Der Aufschnitt ist der sichtbare "Spalt" im unteren Teil einer Pfeife. Ein Teil der Orgel war vom Schimmel befallen. Hinzu kamen - nach über 40jähriger Betriebszeit - eine Reihe eigentlich kleinerer Schäden, die sich aufsummierten. Eine größere Reparatur war unumgänglich.

Auf Anregung des Organisten entschloss sich der Kirchenvorstand, Veränderungen an der Orgel vornehmen zu lassen. Im Pedalwerk wurde der Rauschbass 3-fach in einen Oktavbass 4' umgebaut; wofür ein Teil der Pfeifen des alten Registers verwendet werden konnte. Als zusätzliches, neues Register wurde eine Trompete 8' ins Pedal eingefügt. Dadurch besitzt die Orgel erstmals ein Zungenregister. Bei Zungenregistern wird die Schwingung einer Metallzunge durch die Pfeife verstärkt. Der zuständige Orgelrevisor der Landeskirche, Dr. Wolfram Syré, befürwortete die Maßnahmen ausdrücklich.

Die Spendenbereitschaft der Gemeindeglieder war beeindruckend: im Winter 2011/12 konnten die Arbeiten durch den Ostfriesischen Orgelservice GbR, Wiesmoor, durchgeführt werden.

In der Folge besitzt die Orgel paradoxerweise zwar 1 Register mehr (15 statt 14), aber weniger klingende Pfeifen (30 weniger). Der Grund: der ursprüngliche Rauschbass 3-fach besaß als Mixtur pro getretenem Ton drei Pfeifen (daher 3-fach), während bei Oktavbass und Trompete jeweils nur eine Pfeife erklingt.

Die nicht mehr benötigten Pfeifen des Registers Rauschbass 3-fach wurden eingelagert. Sollten sich spätere Verantwortliche einen Rückbau wünschen, so ist dieser ohne weiteres möglich.

Die Änderung im Überblick:

Pedalwerk:

12. Subbass 16'
13. Gedackt 8'
14. Oktavbass 4'
15. Trompete 8'
Manualkoppel
Pedalkoppel