Wochengruß von Pastor Andreas Pöhlmann

„Wir aber sind Bürger im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland, den Herrn Jesus Christus“ (Philipper 3, 20, nach Martin Luther 2017)

Es ist Anfang Oktober an diesem Sonntag nach Erntedank. Seit Ostern lebe ich mit meiner Familie im Kirchenkreis Bramsche. Vieles ist noch Neu für uns, und auch fremd. Als Familie suchen wir neu nach „Heimat“. Ich frage mich manchmal: Kann ich auf dieser Erde überhaupt beheimatet sein. Oder werde ich hier immer fremd und erst im Himmel ein Bürger sein?
Was ist das, daheim zu sein? Ist es der Kitsch vom Bild mit den röhrenden Hirschen; oder ein käsiger Nationalismus, der seine Heimat mit Fremden nicht teilen will? Ich mag dieses Wort, auch wenn es so einen altbackenen Beiklang hat. Heimat ist für mich da, wo meine Familie lebt und wo ich Freunde finden; gerade, wenn es meine Freunde aus Syrien sind und jetzt in unserem Land leben und unter Mühen unsere Sprache lernen. Mit Heimat verbinde ich eine bestimmte Mentalität, die zu mir passt. Und in der ich mit meinem manchmal auch aufbrausenden Wesen sein darf. Dass meine Wiege in fränkischen Nürnberg stand, kann man manchmal merken. Heimat ist da, wo ich ein sicheres Dach überm Kopf habe und eine schöne Landschaft vor mir, gerne mit Bergen und einem Fluß.
Martin Luther soll den Begriff „Heimat“ neu geprägt haben. Mit seiner Übersetzung der Bibel ins Deutsche hat er eine Sprachheimat geschaffen. Im heutigen Sachsen-Anhalt und Thüringen, damals Kursachsen, war er selbst beheimatet. Eisleben, Mansfeld, Erfurt, und Wittenberg sind seine Orte. Deutsch zu sprechen, sich in dieser Sprache auszudrücken, das steht seit Luther für “Heimat“.
Heimat bleibt aber etwas, das ich immer suche, nicht nur nach einem Ortswechsel. Kein Ort und kein Sprachraum kann dieses Gefühl, dazuzugehören, in Gänze zufriedenstellen. Wir sind Gäste auf dieser Erde, nur zu Besuch. Wir bleiben unbehaust, auch wenn wir ein ganzes Leben im Elternhaus bleiben. Unsere Sehnsucht nach Heimat stillt ein anderer erst dann, wenn wir zu ihm in den Himmel gehen:
„Wir aber sind Bürger im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland, den Herrn Jesus Christus“ (Philipper 3, 20)

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Zum sechsten Mal schreiben Pastorinnen und Pastoren, Diakoninnen und Diakone des evangelisch lutherischen Kirchenkreises Bramsche eine wöchentliche Kurzandacht unter der Rubrik des "Wochengrußes". Nachdem die Wochensprüche, Lieder und Lutherzitate ausgelegt worden sind, werden in diesem Jahr biblische Geschichten in der gebotenen Kürze von 2000 Zeichen erzählt. Dabei geht es nicht allein darum die Bibel nachzuerzählen, sondern auch das eine oder andere in einem neuen Genre zu präsentieren. Wir freuen uns, wenn wir auch in diesem Jahr mit dem Wochengruß viele erreichen, die sich gern und freudig auf dieser Seite unseres Internetauftritts bewegen. Seien Sie uns herzlich willkommen! Wenn Sie die AutorInnen selbst kennenlernen wollen, finden Sie in den Gottesdiensten im Kirchenkreis sicher die eine oder die andere, die hier geschrieben hat.