Wochengruß von Pastor Jürgen Loharens

Phönix

Phönix heißt der alte Vogel, und jetzt ist er tot. Harry Potters Rektor Dumbledore hatte einen in seinem Büro. Vielleicht haben Sie ihn dort schon mal gesehen. Mir ist er neulich im 1. Clemensbriefes begegnet. Der ist so alt wie das Markusevangelium, wurde aber später nicht in den Kanon des Neuen Testaments aufgenommen. Über den Phönix erfahren wir dort: „Er lebt 500 Jahre, und wenn er dem Sterben nahe ist, baut er sich ein Nest aus Weihrauch, Myrrhe und anderen wohlriechenden Pflanzen. Wenn seine Zeit erfüllt ist, geht er in das Nest und stirbt. Dann verfault sein Fleisch und es entsteht ein Wurm“. Diesem Wurm wachsen dann Flügel, und so entsteht ein neuer Phönix. Aus dem Alten entsteht so auf wunderbare Weise Neues. Es braucht uns nicht zu wundern, dass der Phönix für die ersten Christen ein Bild für die Auferstehung Jesu von den Toten war.
Auf den sagenhaften Vogel des Altertums kam ich, weil wir ja auch mit Übergängen zu tun haben. Gerade erst ist ja ein altes Kirchenjahr zu Ende gegangen. Am vergangen Sonntag haben wir an unsere Verstorbenen gedacht, haben für sie gebetet, sind an die Gräber gegangen. Heute beginnt nun ein neues Kirchenjahr, und schon in wenigen Wochen werden wir die Geburt unseres Erlösers feiern. Ja, das passt schon: dass das Neue mit einer Geburt anfängt. Das ist auch im Kirchenjahr so. Schön ist die Wendung, dass der Phönix sich „ein Nest aus Weihrauch und Myrrhe“ baut. Finden sie nicht auch, dass das schon leicht nach Weihnachten duftet?
Vielleicht sind Sie in den letzten Tagen auch innerlich unterwegs gewesen. Weg vom Tod und hin zum Leben. Weg vom Sterben, hin zum Auferstehen. So viele Jahre wie ein frisch geborener Phönix werden wir nicht bekommen, aber auch wir bekommen Zeit geschenkt. In den nächsten Wochen gehen wir erstmal auf den zu, der weiß, wie er uns helfen kann. So manches Alte liegt hinter uns. Ein neues Jahr wartet auf uns. Machen Sie was draus!

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Zum siebten Male schreiben Pastorinnen und Pastore, Diakoninnen und Diakone für den Wochengruß, der hier zu lesen ist. Dabei haben in diesem Jahr alle nachgeschaut, was sie schon mal für die Zeitung geschrieben hatten. Die Zeitungen in unserem Kirchenkreis erlauben uns an jedem Samstag ‚Gedanken zum Sontag‘ zu veröffentlichen. Viele machen dabei regelmäßig mit. Nun finden Sie im Wochengruß eine dieser Zeitungsandachten aus den vergangenen Jahren wieder. Das Motto lautet: ‚Weil’s in der Zeitung stand …‘. Zum kommenden Jahr werden diese gesammelten Wochengrüße dann in einem Kirchenkreisbuch veröffentlicht, das alle Mitarbeitenden in den Gemeinden als Geschenk des Kirchenkreises mit Dank für ihr Engagement erhalten.