Wochengruß von Pastor Markus Unterderweide

Weniger ist mehr

Wie abgesägte Posaunen ragen die Spendenkästen in die Höhe. Dreizehn Stück sind es. Der breite Trichter dient als Fuß. Er ist fest auf einem Sockel montiert. Das Metall verjüngen sich nach oben zu einer schmalen Öffnung. Dort kommt das Geld hinein. Jeder diese Behälter kommt einer bestimmten Art des Opfers zugute.
Nathanael schreitet heran. Er leitet die Schreibstube des römischen Präfekten in Jerusalem. Drei Goldmünzen zählt er in die Hand des Priesters. „Das ist mehr als genug für ein Brandopfer, edler Nathanael. Gott möge dir barmherzig sein.“ Die Münzen verschwinden in der schmalen Öffnung eines Spendenkastens. Nathanael stolziert weiter über den Vorhof.
Beeindruckt von dieser Summe schauen sich Petrus und Jakobus an. Sie hocken mit Jesus und den anderen im Schatten der Tempelmauer, direkt gegenüber den Spendenkästen für die Opfer. Sie haben keine Ahnung, warum sie hier sind. Immerhin gibt es eine Menge zu hören und zu sehen. Die Höhe der Opfergabe, lässt darauf schließen, dass es viele vermögende Menschen in der Stadt gibt.
Langsam schleppt sich eine Frau heran. Ihr Umhang ist aus fadenscheinigen Stoffstücken zusammengenäht. Sie lehnt ihren Stock an den ersten Spendenkasten und kramt in der Tasche. Endlich bekommt ihre zittrige Hand die beiden Münzen zu fassen. Der Priester wirft einen Blick darauf. „Pack die zwei Lepta in den Spendenkasten da vorne. Gott vergelt´s.“
„Freunde, hört mir zu.“ Die Jünger scharen sich um Jesus. „Diese Witwe dort hat nur zwei mickrige Münzen in den Kasten geworfen. Doch das ist mehr als die Gaben der Reichen.“ „Mehr als Nathanaels Gold?“ wunderte sich Jakobus. Darauf Jesus: „Ja, denn es ist alles, was sie besitzt.“ „Aber das ist doch unvernünftig“, entgegnet Petrus. „Sie hätte ein Stück Brot kaufen sollen. Zumindest ein kleines für einen Lepta. Dann wäre ihr Hunger heute Abend nicht so groß.“ Jesus sieht das anders: „Sie gibt ihre eigene Sicherheit auf. Sie vertraut ganz auf Gott. Er wird für sie sorgen. Das weiß sie und dafür dankt sie mit dem, was sie hat.“

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Zum siebten Male schreiben Pastorinnen und Pastore, Diakoninnen und Diakone für den Wochengruß, der hier zu lesen ist. Dabei haben in diesem Jahr alle nachgeschaut, was sie schon mal für die Zeitung geschrieben hatten. Die Zeitungen in unserem Kirchenkreis erlauben uns an jedem Samstag ‚Gedanken zum Sontag‘ zu veröffentlichen. Viele machen dabei regelmäßig mit. Nun finden Sie im Wochengruß eine dieser Zeitungsandachten aus den vergangenen Jahren wieder. Das Motto lautet: ‚Weil’s in der Zeitung stand …‘. Zum kommenden Jahr werden diese gesammelten Wochengrüße dann in einem Kirchenkreisbuch veröffentlicht, das alle Mitarbeitenden in den Gemeinden als Geschenk des Kirchenkreises mit Dank für ihr Engagement erhalten.