Wochengruß von Pastor Markus Unterderweide

Wochengruß für den 18. Sonntag nach Trinitatis

Der, der fast alles richtigmachte
Ich bin erfolgreich, reich und jung. Was mein Vater und Großvater aufgebaut haben, führe ich weiter. Dabei kann ich mit gutem Gewissen sagen: Wir sind ordentliche Geschäftsleute. Wir hauen niemanden übers Ohr. Wir zahlen fairen Lohn. Dem armen Bettler stecken wir etwas zu.
Mein Nachbar erzählte mir letztens von Jesus. Jesus eilt der Ruf eines begnadeten Redners und Wunderheilers voraus. Er soll sich vollmächtig über Gott äußern und über ein ewiges Leben sinnieren.
Ich bin ein frommer Mensch und wollte mehr erfahren. Also machte ich mich auf den Weg.
Bis ich Jesus endlich aufgestöbert hatte, war klar, was genau ich wissen wollte: „Guter Meister“, kam ich direkt zur Sache, „was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?“
Jesus erinnerte mich zunächst an die Gebote. Ich konnte aufrichtigen Herzens behaupten: „Ja, die befolge ich.“ Doch dann kam der Hammer: „Verkaufe alles, was du hast und gib es den Armen. Und komm und folge mir nach.“
Das hat mich getroffen. Nein, nicht dass ich wütend auf Jesus war, obwohl ich bei so einer Unverschämtheit allen Grund gehabt hätte. Ich habe gespürt, dass Jesus meine Art geschätzt hat. Ja, einen Moment bildete ich mir ein, wir beide, Jesus und ich, wir könnten Freunde werden. Aber warum sollte ich alles, wirklich alles, verkaufen? Das hat er von anderen nicht verlangt. Es macht auch keinen Sinn, weil selbst die Armen langfristig mehr davon haben, wenn ich sie regelmäßig unterstütze. Ein Verkauf macht Bedürftige einmal glücklich. Aber wenn mein Besitz irgendwelchen Halsabschneidern in die Hände von fällt, ist es aus mit regelmäßigen Spenden.
Aber: Vielleicht suche ich mit solchen Überlegungen nur nach Ausreden. Denn ehrlich gesagt, möchte ich die Sicherheit, die mir mein Besitz gibt, nicht aufgeben. In meinem tiefsten Innern spüre ich, dass das der wunde Punkt sein könnte. Im Moment sehe ich keinen Ausweg. Doch ich will dranbleiben an diesem Jesus. Vielleicht braucht er noch etwas Zeit mit mir und ich mit ihm.

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Zum siebten Male schreiben Pastorinnen und Pastore, Diakoninnen und Diakone für den Wochengruß, der hier zu lesen ist. Dabei haben in diesem Jahr alle nachgeschaut, was sie schon mal für die Zeitung geschrieben hatten. Die Zeitungen in unserem Kirchenkreis erlauben uns an jedem Samstag ‚Gedanken zum Sontag‘ zu veröffentlichen. Viele machen dabei regelmäßig mit. Nun finden Sie im Wochengruß eine dieser Zeitungsandachten aus den vergangenen Jahren wieder. Das Motto lautet: ‚Weil’s in der Zeitung stand …‘. Zum kommenden Jahr werden diese gesammelten Wochengrüße dann in einem Kirchenkreisbuch veröffentlicht, das alle Mitarbeitenden in den Gemeinden als Geschenk des Kirchenkreises mit Dank für ihr Engagement erhalten.