Wochengruß von Schuldiakon Johannes Kuhnert-Kohlmeyer

„Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils“ / 2.Korinther 6,2

Ich bewundere Menschen, die wichtige Aufgaben aber auch unangenehme Dinge nicht einfach wegschieben, sondern rasch angehen. Menschen, die anpacken, was ansteht, die schnell reagieren, wenn sich eine gute Gelegenheit ergibt, die imponieren mir.
Viele haben aber gerade damit Probleme. Zunächst schieben sie wichtige Aufgaben gerne hinaus, oft auch weil sie etwas richtig gut erledigen wollen oder weil sie meinen, dafür bleibt doch noch genügend Zeit. Aber der Druck nimmt ja nicht ab, sondern zu. Unangenehme Aufgaben werden durchs Zuwarten nicht leichter oder kleiner, nur die Zeit, sie zu bewältigen, wird immer kürzer. Es wird also noch schwieriger. Das ist ein Teufelskreis. Und für manche Dinge ist es irgendwann auch zu spät. Wer nicht bald anpackt oder zugreift, dem gelingt weniger, dem entgeht auch manches.
Wenn man Untersuchungen glaubt, leiden heute überdurchschnittlich viele Menschen unter solchen Erledigungsblockaden, besonders Studenten und geistig tätige Menschen. Aber weil sich auch sonst immer mehr überfordert fühlen, scheint diese Krankheit weiter um sich zu greifen. Manchmal macht man auch einfach andere Dinge, die angeblich wichtiger sind. So rechtfertigen sich die betroffenen Menschen nur einmal selber damit. Man nennt das dann „Übersprungshandlung“ – das bedeutet „für morgen“ oder Vertagung.
Diese Aufschiebepraxis ist aber kein neues Problem. Paulus, der biblische Prophet, hat bereits erkannt und beschrieben, dass es solche Erledigungsblockaden auch in Bezug auf den Glauben gibt. Einerseits ist das Angebot der bedingungslosen Hilfe Gottes vielen bekannt, trotzdem leben manche Christen mit eigentlich lösbaren Problemen weiter, als ob es Christus nicht geben würde, oft auch in unguten Beziehungen und Lebensverhältnissen. Sie wissen um die Lösung, aber sie lassen die Missstände weiter bestehen. Das ist nicht nur damals in der multikulturellen Hafenstadt Korinth so gewesen, bis heute zögern viele Christen wichtige Entscheidungen und Veränderungen in ihrem Leben aus oft unerfindlichen Gründen hinaus. Sie wagen es nicht, auf die neuen Möglichkeiten mit Gott zu vertrauen, obwohl sie bereits viel davon ahnen oder wissen. Sie getrauen sich nicht, zu sein und zu leben, wozu sie berufen sind.
Paulus mahnt im 2.Korintherbrief „Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt ist der Tag des Heils“. Gottes Angebot duldet keinen Verzug. Es ist schade um jede verpasste Minute. Gebt doch auf was euch nicht gefällt. Gott hilft euch dabei. Oder: Losgehts. Gott hat doch nur gutes mit euch vor.
Geht doch endlich auf die Menschen zu, die ihr verletzt habt oder die in eurer Nähe Hilfe brauchen. Ihr werdet selber dadurch reich beschenkt werden. Mit neuer Freiheit und Lebensmut.

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Zum sechsten Mal schreiben Pastorinnen und Pastoren, Diakoninnen und Diakone des evangelisch lutherischen Kirchenkreises Bramsche eine wöchentliche Kurzandacht unter der Rubrik des "Wochengrußes". Nachdem die Wochensprüche, Lieder und Lutherzitate ausgelegt worden sind, werden in diesem Jahr biblische Geschichten in der gebotenen Kürze von 2000 Zeichen erzählt. Dabei geht es nicht allein darum die Bibel nachzuerzählen, sondern auch das eine oder andere in einem neuen Genre zu präsentieren. Wir freuen uns, wenn wir auch in diesem Jahr mit dem Wochengruß viele erreichen, die sich gern und freudig auf dieser Seite unseres Internetauftritts bewegen. Seien Sie uns herzlich willkommen! Wenn Sie die AutorInnen selbst kennenlernen wollen, finden Sie in den Gottesdiensten im Kirchenkreis sicher die eine oder die andere, die hier geschrieben hat.