- Die Notfallseelsorge arbeitet überkonfessionell. Im Mittelpunkt stehen die Menschen, die von einem Unglück betroffen sind: Einsatzkräfte, Unfallopfer, Angehörige, Mitbetroffene.
- Die Notfallseelsorge war lange Zeit bis zum 1.3. 2009 organisatorisch eine Einrichtung des Landkreises Osnabrück- ein Sonderfall in Niedersachsen. Das mag verwundern, weil es ja hauptsächlich kirchliche Mitarbeiter/innen sind, die hier arbeiten. Diese Organisationsform wurde bewusst gewählt. Zum einen war sie historisch begründet: der Wunsch danach, die Anregung und vielfältige Unterstützung kam aus dem Kreis der Feuerwehren. Die ersten, die das aufnahmen, waren mit Pastor Jürgen Loest, Dipl.Psych.Hannes Schmees zwei aktive Feuerwehrmänner aus den Feuerwehren Ueffeln und Quakenbrück. Zum anderen kamen organisatorische Überlegungen hinzu. Ab der 2. Jahreshälfte hat die Landeskirche darauf Wert gelegt, dass es im Rahmen der Neuordnung der Notfallseelsorge zu einer anderen Organisationsform kommt. Zum einen lag das daran, dass die Landeskirche selber stärker Verantwortung übernehmen will ( ordnung der Notfallseelsorge) und zum zweiten, dass eine Organisationsform gefunden werden musste, die kompatibel ist mit anderen Gebieten der Landeskirche. Die Notfallseelsorge ist jetzt ein Angebot der Kirchen an die Kommune. Ab 1.3. 2009 vertritt der Sprengelbeauftragte Frank Jäger aus Melle hier die Ev.Kirche gegenüber dem Landkreis. Die Regelungen im Landkreis wurden so modifiziert, dass P.Jürgen Loest für die Feuerwehrseelsorge ( Prävention, Kurse Nachsorge) zuständig ist.
- Die Notfallseelsorge ist nur möglich weil es Mitarbeiter/innen gibt, die bereit sind, ihre Freizeit in diesen Dienst zu stellen. Sie werden in ihrem sonstigen Dienst bisher nicht entlastet. Bis auf eine Ausnahme sind alle Teammitglieder Mitarbeiter/innen der evangelischen Kirche. Leider haben sich in unserem Bereich Mitarbeiter der kathol.Kirche nicht zu einer regelmässigen strukturellen Arbeit bereit finden können. Der letzte kathol.Priester war bis Mai 2008 Pf.Bernhard Horstmann ( jetzt in Sögel ). Es gibt einige kathol.Geistliche, die guten Kontakt zu ihren Feuerwehren haben und in Notfällen auch kommen. Aber das Fehlen der kathol.Kirche im Team ist für die Betroffenen, die oft katholisch sind, nicht einfach.
- Die Notfallseelsorge, das sei auch allen Kritikern des Kirchensteuersystems gesagt, ist nur möglich, weil die Kirchen ( und in unserem Bereich die evangelische Kirche) so ein dichtes Mitarbeiter/innen -netz hat. Die Kommunen, das Land haben nichts Vergleichbares zu bieten. Die Mitarbeiter/innen christl. Kirchen leisten hier, kaum wahrgenommen, einen diakonischen Dienst an Rettungskräften und Betroffenen.
- Die Notfallseelsorge ist christlicher Seelsorgedienst an allen Menschen unter dem organisatorischen Dach der Kreisfeuerwehr.
- Zur Zeit sind unsere Einsatzsysteme im Umbruch ( durch Stellenwechsel etc.).
- Für den Einsatzbereich Nord (Bersenbrück, Quakenbrück) arbeiten derzeit : Pastor Rieke (Menslage) Dipl.Psych Schmees, Quakenbrück, dann nach einer ersten Einarbeitung: Pn. von Clausewitz ( Nortrup), P.Loharens (Bippen), Pn.Kusche( Fürstenau), D.Mehnert (Fürstenau) P.Hellwege( Quakenbrück) P.Gerdes ( Quakenbrück). P.Guhl-Krafft (Badbergen) war lange Jahre Mitarbeiter und macht derzeit eine kreative Pause.
- Für den Einsatzbereich Süd arbeiten: Pastor Loest ( Ueffeln), Pastor Marahrens ( Bramsche) Pn. Schuster-Scholz (Bramsche), demnächst nach einer ersten Einarbeitung kommen hinzu : P.Seger ( Engter), P.Unterderweide( Bramsche), D.Kuhnert-Kohlmeyer ( hat den grundlehrgang der Landeskirche schon absolviert).
Einsatzkriterien für die Notfallseelsorge ( im gesamten Landkreis Osnabrück)
Folgende Struktur wurde entwickelt:
es gibt je eine Einsatzgruppe für die Bereiche Melle, Altkreis Wittlage, Georgsmarienhütte, Altkreis Bersenbrück Süd, Altkreis Bersenbrück Nord.
Alle Einsatzgruppen sind mit einem Funkmeldeempfänger ausgestattet, der in einem bestimmten Rhythmus unter den Mitarbeiter/innen weitergegeben wird. Ausgestattet sind sie ferner mit Handys, einem Notfallseelsorgekoffer und Einsatzkleidung.
Auch die Alarmierungsstichworte sind festgelegt. Generell wird von der Leitstelle mit alarmiert bei drei Stichworten: Großschadenslagen und Anfall vieler Verletzter; Verletzung oder Tod eines Kameraden im Einsatz; Suiziddrohung, wenn Feuerwehr vor Ort. Ansonsten entscheidet der Einsatzleiter nach Rücksprache mit dem Disponenten über die Anforderung ( wie z.B. jüngst geschehen nach Verkehrsunfällen, Bergung eines toten Kindes aus dem Mittellandkanal, Suizid , plötzlicher Kindstod o.ä.).
Überdacht wurden auch die Überlegungen für einen Katastrophenfall. Hier sind wir dabei, aus den (z.T. negativen) Erfahrungen anderer zu lernen. Es hat bei etlichen Großkatastrophen Probleme bei den psychischen Helfern gegeben: sie konnten sich nicht ausweisen ( das wurde von Schaulustigen und Journalisten ‘genutzt’; es kam zu einem Organisationswirrwar, weil jede Organisation eigene Helfertruppen nachalarmierte oder unbekannte Truppen sich selbst einsetzten und anboten.
Wir erarbeiten im Landkreis eine andere Konzeption: unsere Arbeitskreise haben Ausweise mit Lichtbild, Name und Landkreis-Logo; eine Einsatzleitkraft koordiniert im Katastrophenfall den Einsatz und alarmiert bei bedarf Kräfte nach, die mit bereitgehaltenen Ausweisen der Einsatzleitung ausgestattet und je nach Lage und Erfordernissen eingesetzt werden.
Das Angebot des Dienstes: Hilfe für Betroffene und Angehörige in der Unfallsituation an, aber auch Gesprächsmöglichkeiten für einzelne Einsatzkräfte, Einsatzgruppen etc. .In den letzten drei Jahren wurde ebenfalls über 80 mal das Angebot auf Schulung in Psychischer Ersthilfe und Streßbearbeitung angefordert. Diesen Bereich wollen wir dahingehend ausweiten, daß wir z.B. demnächst Lehrgänge auch in den FTZ anbieten.
Überregionale Notfälle
Nach dem Attentat in Djerba war die Betreuung der Angehörigen eine Katastrophe. Die zuständigen Ministerien handelten und installierten das Notfall Opfer Angehörigen Hilfe System
NOAH. Dieses System wurde z.B. nach einem Busunfall in Ungarn aktiviert, in das auch unsere Dienste einbezogen waren in der Überbringung von Todesnachrichten und der Betreuung Rückreisender.