Mein Foto von Pastor Arne Hüttmann

Nachricht 05. Januar 2020

Der Wind schlägt ins Gesicht. Hin wieder spritzt die Gischt über die Reling.  Der Sonnenschein, die kalte Luft, dazu der Geruch von Salzwasser. Erinnerungen an meine Kindheit werden wach, jetzt, wo ich mit meiner Familie auf einem kleinen Schiff durch die Nordsee fahre. Hier stammen meine Großeltern her. Hier verbrachte ich so manchen Sommer. Ein Fischerboot kreuzt unseren Weg. Eine Traube an kreischenden Möwen umgibt das Schiff.
Ich ziehe mein Handy und mache einen schnellen Schnappschuss.
Diese Weite. Diese Freiheit. Es ist immer wieder beeindruckend. Hier im Norden Deutschlands scheinen die Uhren irgendwie langsamer zu laufen. Die Hektik des Alltags scheint vergessen.
Eine Ruhe erfüllt mich, die mich glücklich macht. Das Bild auf dem Handy erinnert mich an dieses Gefühl. Der Beter eines Psalms mag ein ähnliches Bild vor Augen gehabt haben. Er schreibt: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“(Ps 31). Wahrscheinlich meint er sogar etwas ganz Ähnliches. Wenn der Alltag mich in die Enge treibt, wenn die Hektik überhand nimmt oder ich mich von Menschen verletzt fühle, dann bist du da. Du zeigst mir die Weite, in der ich wieder zu Atem komme. Du eröffnest mir Möglichkeiten, wo ich bis jetzt keine gesehen habe.

Ich schaue auf das Foto, erinnere mich an den Geruch des Salzwassers, und ich weiß, dass ich durchatmen kann. Einen Raum, der frei macht. Einen Raum, wo ich Kraft tanken kann. Das ist es, wofür ich Gott dankbar bin. Und Sie? Wo ist Ihr Raum, der Sie frei macht?
„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“. Vielleicht lohnt es sich ja, sich auf die Suche zu machen.