Mein Foto von Pastorin Bettina Lorenz-Holthusen

Nachricht 03. Mai 2020

Flugzeug in der Sonnenbrille

"Wann kommt sie denn nun endlich?" Jacob und Clara sind ungeduldig. Bei schönstem Wetter mit Sonne und Wind sitzen und stehen wir auf der Aussichtsterrasse des Hamburger Flughafens und warten. So viele Flugzeuge! Die Maschine von Allitalia rollt gerade auf ihre Startposition, Condor ist entladen und wird nun zum Parken geschleppt. Quantas ist im Landeanflug und die Lufthansamaschine aus München angekündigt. Aber uns interessiert ja nur eine. Eine besondere. Die Icelandair-Maschine aus Reykjavik. Unsere große Tochter Paula ist zehn Monate im Austausch gewesen und nun kommt sie zurück. Wir als Familie freuen uns sehr, Paula wäre auch gerne noch geblieben.
Bahnhöfe, Flughäfen, Fährhafen: Orte von Fernweh und Vorfreude, aber auch von Wiedersehen und Sehnsucht, Heimat.

Manche können einfach in die Ferien fliegen, andere verlassen ihre Heimat notgedrungen für immer, wieder andere verlassen das gewohnte Umfeld auf Zeit fürs Studium, für den Beruf, zum Geld verdienen.

Wenn Menschen sich früher auf den Weg machten, ob auf Wanderschaft, Expedition, Pilgerfahrt oder Flucht war damit sehr viel mehr als heute das Ungewisse, die Gefahr verbunden. Und die bewusste Einsicht: diese Reise wird mich verändern. Ich komme anders wieder als ich weggegangen bin. Wenn ich wiederkommen.

Reisen bildet. Aber ich finde fast noch wichtiger: das Leben in einer fremden Umgebung mit anderen Gebräuchen, einer anderen Sprache, schärft unseren Blick für das Eigene, für das Vertraute. Und auch dafür, dass ich so, aber andere Menschen anders geprägt sind. Es kann mich demütiger machen.
Heimat ist relativ. Und alle Heimatsuche des Menschen ist doch nur vorläufig. "Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir," heißt es im Hebräerbrief (13,14). Und die steht nicht auf den Abflugtafeln am Flughafen, sondern ist zwischen mir und dem Himmel zu finden. Mit Gottes Hilfe.