Wochengruß von Pastor Jürgen Loharens

Nachricht 27. Mai 2018

Vice versa

Eigentlich müsste das Leben wunderbar sein – jedenfalls mit dem Blick nach draußen. Bei diesen schon sommerlichen Temperaturen zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs zu sein oder gleich schwimmen zu gehen, ist die reine Lust. Aber leider müssen wir dann und wann auch einen Blick in die Zeitung werfen... Da werden Säuglinge totgeschlagen, in Hamburg gibt es die ersten Fahrverbote für ältere Diesel-PKWs, immer mehr Ältere sind von Altersarmut bedroht, und der jetzige US-Präsident bringt manches in irrlichternde Bewegung (usw...). So manche Schlagzeile macht ihrem Namen alle Ehre. Sie kann uns treffen wie ein Schlag in den Magen - und unsere gute Laune ist dahin. Und das alles schon am frühen Morgen!

Standortwechsel. Mit einem Gedicht von Christian Morgenstern: 
„Ein Hase sitzt auf einer Wiese, des Glaubens, niemand sähe diese. 
Doch im Besitze eines Zeißes, betrachtet voll gehaltnen Fleißes 
vom vis-à-vis gelegnen Berg ein Mensch den kleinen Löffelzwerg. 
Ihn aber blickt hinwiederum ein Gott von fern an, mild und stumm.“ 
Ich merke, dass ich überrascht bin. Und frage mich: Wo stehe ich denn gerade? Was ist mir wichtig? Und weshalb gerade dies? „Vice versa“ hat Morgenstern sein Gedicht genannt, auf Deutsch: „umgekehrt“. Auf launige Weise erinnert er uns daran, dass es immer noch eine andere Wahrnehmung gibt. Auch der Wochenspruch dieses Sonntags (Jesaja 6,3) erinnert uns an andere große Zusammenhänge: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll.“ Da wünsche ich Ihnen gute Gedanken und eine gute Zeit!