Wochengruß von Pastorin Stefanie Lohmann

Nachricht 07. Oktober 2018

Da ist der Wurm drin

Ich habe letzte Woche einen Eimer voll mit Äpfeln geschenkt bekommen. Natürlich habe ich mich sehr darüber gefreut. Unser eigener kleiner Apfelbaum im Garten wurde nämlich erst vor zwei Jahren gepflanzt und hat die große Trockenheit des Sommers nicht gut überstanden. Und Äpfel sind doch so lecker! Und vor allem gesund! Gerne nahm ich also die Äpfel an und auch den Tipp, den ich von dem klugen und praktischen Herrn, der mir sie schenkte, mit auf den Weg bekam: “Das ist Fallobst. Da sind ein paar mit braunen Stellen. Aber die sind lecker. Mach einfach Apfelmus daraus.”“Gute Idee!” Manch einer würde sagen: “Da ist etwas faul. Da ist der Wurm drin.”

Aber Apfelmus machen ist ja keine große Mühe: Das Unbrauchbare aussortieren, wegschneiden, dann nur noch etwas Zucker und evtl. Saft dazugeben. Das reicht schon und es schmeckt wunderbar. Die Süße des Apfels bleibt und es ist ein Genuss. “Da ist etwas faul. Da ist der Wurm drin.”, sagen wir auch im übertragenen Sinn. Wenn uns etwas komisch vorkommt oder vorsichtig werden lässt. Wenn etwas schief läuft. Man Pech hat. Wir meinen dann: Das wird nichts. Das hat keinen Sinn. Da ist nichts mit anzufangen oder zu machen. Wenn wir uns bemühen, aber nichts davon haben. Der Arztbesuch zum Beispiel. Du wartest stundenlang im Wartezimmer, umgeben von Kranken. Dann kommst du endlich dran, bist fünf Minuten beim Arzt und der schickt dich dann zum nächsten, weil er dir in seinem Fach nicht weiterhelfen kann. Oder du hast Streit innerhalb deiner Familie. Du willst das überhaupt nicht und machst darum Schritte auf den anderen zu und er auch auf dich, aber immer zu unterschiedlichen Momenten, so dass beide doch nicht zueinander finden und der Streit noch andauert. Es gibt Tage, da fühlt man sich regelrecht vom Pech verfolgt. Da passiert eine blöde Sache nach der anderen. Dann werden wir selbst undankbar und ungenießbar.

Und nicht erst im Herbst unseres Lebens fragen wir uns: “Warum ich? Warum geht das schief? Ich habe es doch ganz anders geplant und gewollt. Warum hat Gott mir das madig gemacht?” Ja, wir Menschen neigen dazu, alles perfekt und in Ordnung haben zu wollen. Kein Fleck, kein Loch, keine Lücke. Das Leben, wir selbst: am besten ist alles perfekt und vollkommen. Doch es ist gut und gesund, wenn wir – wie beim Apfel – aussortieren, das Schlechte bei Seite tun.

Das Gute bewahren. Das Beste daraus machen und genießen. Auch, wenn es anders wird als zunächst gedacht oder vorgesehen. Auch, wenn etwas anderes dabei herauskommt und hinterher völlig anders aussieht. Am Ende kann es doch gut werden. Äpfel werden zu Apfelmus. Gott selbst nimmt uns trotz unserer dunklen und faulen Stellen an. Gott lässt uns nicht liegen, sondern bewahrt, was gut ist. Gott holt das Beste aus uns heraus und kennt unseren Wert unabhängig vom Äußeren. Also lasst uns dankbar annehmen, was Gott uns schenkt und anvertraut und das Gute darin sehen. Amen.

Pastorin Stefanie Lohmann, Gehrde