Wochengruß von Pastor Andreas Siemens

Nachricht 09. September 2018

Immer wieder einmal kann man die Empfehlung lesen, man solle rein in der Gegenwart leben, ohne sich Gedanken und Sorgen um das Morgen zu machen. Das liest und hört sich stets gut an. Ist doch das Leben leicht und beschwingt, wenn wir uns keine Sorgen machen müssen.

Nur leider, dieser Rat hilft wenig, weil wir gar nicht rein in der Gegenwart leben können. Wir sind gebannt in die Zeitlichkeit: auf jeden Augenblick folgt der nächste; und wir können nicht so tun, als ginge uns die Zukunft gar nichts an.

Indem wir stets auf die Zukunft bezogen sind, machen wir uns Sorgen, Sorgen darum, wie es wohl weitergehen kann, ob nicht alles bedrohlicher wird, was auf uns zukommt. Wohin wir auch blicken, sieht es düster für uns aus. Da ist das politische Leben, das in diesem zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts so richtig in die Dunkelheit zu führen scheint. Die Völker scheinen sich von ihren politischen Führern abzuwenden. Sie vertrauen ihnen nicht mehr – ob das nun berechtigt ist oder nicht, spielt keine Rolle. Die verantwortlichen Staatslenker scheinen abgehoben, und bei manchen von ihnen kann man nur den Kopf schütteln, wie wenig ihre Entscheidungen auf grundlegenden und berechenbaren Überzeugungen beruhen. Im Arbeitsleben scheint es revolutionäre Veränderungen zu geben, die Angst um die Zukunft der Arbeit und damit um unsere Daseinsbedingungen wachsen lassen. Die Witterungsbedingungen scheinen sich so zu ändern, was wir uns auch da größte Sorgen machen müssen.

Da ist die Empfehlung wenig hilfreich, dass wir nur in der Gegenwart leben müssten, um diese Sorgen loszuwerden. Der christliche Glaube macht es sich nicht so einfach. Unser enges Verhältnis zu den Sorgen, auch um die selbst verursachten, wird als gegeben angesehen. Wir sorgen uns völlig zu Recht, wenn wir uns Gedanken über unsere Zukunft machen.

Als guter Rat wird uns im Ersten Petrusbrief für unser Leben mitgegeben: „Alle eure Sorge werfet auf ihn; denn er sorget für euch.“ (Kap. 5,7). Wir machen uns Sorgen. Das ist unausweichlich. Wir müssen im Glauben nicht so tun, als wären sie überflüssig. Und dennoch möchten wir uns einladen lassen, frei von unseren Sorgen zu werden. Glauben heißt auch, die Last der Sorgen auf den zu werfen, der sie für uns tragen und bewältigen will. Insofern können wir dann doch trotz aller Sorgen fröhlich leben.

Pfarrer Andreas Siemens, Engter