Wochengruß von Pastor Andreas Siemens

Nachricht 22. November 2018

Viele mögen den Bußtag nicht. Er ist ihnen zu negativ besetzt. Buße klingt nach Bestrafung. Und wo wir das Wort Buße im Alltagsleben gebrauchen, ist es in der Tat so, dass wir darunter eine Bestrafung verstehen. Das ist jedermann durch das Wort Bußgeld deutlich: Wer ein Bußgeld bezahlt, kommt zwar mit einer leichten Strafe davon; aber sein Geldbeutel wird doch empfindlich belastet. Wer ein Bußgeld zahlt, soll sich in Zukunft anders, besser betragen. 

Ganz anders ist das Wort ‚Buße‘ im Neuen Testament verstanden. Da bezeichnet es einen Vorgang, der in tiefer Freude sein Ziel findet. Das macht die Begebenheit deutlich, die von Jesus und dem Zöllner Zachäus erzählt wird. Auf seiner Wanderung kommt Jesus durch die Stadt Jericho. Der Ruf, dass er da durchkomme, eilt ihm voraus. Diese Nachricht erfasst auch den Zöllner Zachäus. Für ihn ist klar: den muss ich sehen. Von ihm habe ich so viel gehört – er ist ein Menschenfreund. 

Doch Zöllner sind im Judentum damals verhasst. Unter den Jesus begeistert Zujubelnden findet er keinen Platz. So klettert er in seiner Not auf einen Maulbeerbaum. Von luftiger Höhe aus – er ist von kleiner Gestalt – kann er den berühmten Reisenden sehen. Ihm reicht es, einige Blicke auf den bedeutenden Mann zu werfen. 

Doch dem bedeutenden Mann reicht das nicht. Als er unter dem Baum steht, auf den Zachäus geklettert ist, wirft er einen Blick nach oben zu diesem Zuschauer, ausgerechnet zu ihm, den wegen seines Berufes in Israel niemand leiden mag. Ausgerechnet bei ihm will Jesus einkehren, mehr noch: Jesus muss bei ihm einkehren. Das ist ein göttliches ‚Muss‘. 

Und Zachäus ist beglückt, so beglückt, dass er eine neue Haltung einnimmt: Statt sich um die Vermehrung seines Reichtums zu bemühen, sucht er nun, auf den rechten Weg zu gelangen. So gelobt er, sich sogleich von der Hälfte seines Besitzes zu trennen und überdies alle, die er in der Vergangenheit betrogen hat, großzügig zu entschädigen. 

Das ist Buße: Aus der Tatsache, von Gott begnadigt und anerkannt zu sein, kann man ein neues Leben anfangen, dessen Kennzeichen große und tiefe Freude ist.