Wochengruß von Pastor Uwe Brand

Nachricht 21. April 2019

„G“ wie „Grab“

In der Nikolauskapelle des Osnabrücker Doms war bis Ende März eine Video-Installation zweier Künstler zu sehen. Gezeigt wurde auf einer Leinwand eine Wasseroberfläche, die sich in einem ruhigen Rhythmus hin und her bewegt. Eine Einladung zur Meditation – nicht ohne Grund während  der Passionszeit – denn das Kunstwerk will zeigen,  wie ambivalent und rätselhaft unsere Wahrnehmung ist. 

Markus erzählt als Erster der Evangelisten vom leeren Grab: Von Maria von Mag-dala, von der Maria des Jakobus und von Salome, die den Leichnam am Oster-morgen salben wollen. Im geöffneten Grab finden sie einen Jüngling in weißem Gewand, der ihnen  sagt, dass Jesus von Nazareth auferweckt worden ist. Sie sollen seinen Jüngern und Petrus sagen: Jesus geht ihnen voran nach Galiläa. Dort werden sie ihn finden. Die Frauen aber fliehen aus dem Grab und erzählen es aus Frucht niemandem.

Ambivalent und rätselhaft scheint auch die Wahrnehmung der drei Frauen: Ihnen wird durch einen Engel die Osterbotschaft verkündet  und doch fürchten sie sich, rea-lisieren nicht das Gesagte, sie sind wie blind. Die Frauen befinden sich selber auf dem Kreuzweg, sie folgen Jesus auf seinem Leidensweg zum Kreuz und auf seinem vermeintlich letzten Weg ins Grab nach. Verständlich ist daher dieses Erschrecken über die Engelsbotschaft. 

Doch da ist dieser Auftrag: Mit den Jüngern und Petrus sollen sie den Weg nach Galiläa gehen, in die Region in der Jesus wirkte. Der Auftrag gilt den Spuren Jesu. Sie sollen aufgenommen werden. Dort, wo Jesu Heilungen stattfanden, wo er die Menschen mit Gott versöhnte, dort, wo er seine Gleichnisse erzählte, dort, wo die Bergpredigt gehalten wurde und tausende Menschen auf wundersame Weise satt wurden, dorthin sollen sie gehen.

„Sheherazade“ – so der Titel der Videoarbeit in der Nikolauskapelle. Sheherazade - eine der Hauptfiguren aus den persischen Geschichten von 1001 Nacht -  erzählt dem König jede Nacht eine neue Geschichte, um so ihrem Tod zu entgehen. 

Auch die Botschaft vom leeren Grab kann zu einer Geschichte werden,  um dem Tod zu entgehen - wenn sie als Einladung verstanden wird, sich in die Nachfolge zu begeben: Dort, wo wir im Sinne Jesu bezeugen, dass die Liebe stärker ist als der Tod, beginnt Ostern. Dort, wo wir aufbrechen  und uns von keiner Angst mehr abhalten lassen, da ist Auferstehung. Dort, wo wir den Fußspuren Jesu folgen, laufen wir nicht mehr in Richtung Grab, sondern werden das Leben finden.

Uwe Brand, Berufsschulpastor