Wochengruß von Pastorin Bettina Lorenz-Holthusen

Nachricht 10. Februar 2019

„C“ wie „Choräle“

Da wo ich aufgewachsen bin, an der Weser, sind alle evangelisch.
Katholiken sind die Exoten. Daher vielleicht auch mein Interesse in
Münster doch einmal im Dom ein Pontifikalamt zu erleben, also eine Messe
des Bischofs.
Ich mache mich also am Morgen auf den Weg, der große Dom ist schon sehr
gut gefüllt. Da muss ja was beim Singen zu hören sein, freue ich mich
schon. Doch niemand steht an der Tür und drückt mir ein Gotteslob in die
Hand. Die, die es gibt, sind wohl in den ersten Bänken verschwunden,
weiter hinten kann keiner mitsingen. Ich sitze im Pontifikalamt, höre
dem Chor zu und kann selbst nicht singen!

Mitsingen zu können, das ist im evangelischen Gottesdienst etwas sehr
Wichtiges.  Die Kirchenvorsteher und Küsterinnen bitten manchmal darum,
doch zu zweit aus dem Gesangbuch zu gucken, wenn es eng wird. Unser
Anspruch im Gottesdienst ist, dass die Gemeinde singen kann. Warum ist
das so?

Für Martin Luther, der selbst gerne sang und etliche Lieder komponiert
hat, war das Singen ein wichtiger Teil der Glaubenspraxis. So schreibt
er an Ludwig Senfl, einen der damals führenden Komponisten seiner Zeit:
„Denn wir wissen, dass die Musik auch den Teufeln zuwider und
unerträglich sei. Und ich sage es gleich heraus und schäme mich nicht,
zu behaupten, dass nach der Theologie keine Kunst sei, die mit der Musik
könne verglichen werden, weil allein dieselbe nach der Theologie solches
vermag, was nur die Theologie sonst verschafft, nämlich die Ruhe und ein
fröhliches Gemüte.“

Es gab eine Zeit, da konnte ich nicht singen. Meine Stimme war weg. Da
hat sich die Schwere auf meine Seele gelegt. Singen macht ein fröhliches
Gemüt, da kann ich Martin Luther nur zustimmen. Mit den Chorälen
antworten wir auf das, was in den Lesungen Thema war, wir bekennen, wir
klagen, wir denken weiter. Choräle sind selbst Teil der Verkündigung im
Gottesdienst. So wie die Pastorin in der Predigt und der
Kirchenvorsteher mit den Lesungen verkündigt, so trägt die Gemeinde mit
den Chorälen die Frohe Botschaft von Jesus Christus, unserem Herrn und
Erlöser weiter, in die Welt und ins eigene Herz.