Wochengruß von Pastorin Stefanie Lohmann

Nachricht 08. September 2019

„S“ wie „Sichtweisen“

Ein Septembernachmittag in den 90ern. Meine Freundin Christina zu mir: Komm mit, ich möchte dir etwas zeigen!” So folgte ich ihr zu einem Baum, an einer Weide gelegen. Der stand mitten in unserem Heimatort, aber richtig wahrgenommen hatte ich ihn vorher nicht. In den nächsten Stunden erkletterten und eroberten wir ihn. So wurde er zu unserem Lieblingsbaum und änderte meine Sicht. Denn von dort oben sah alles anders aus: Die Pflanzen, das Dorf, die Kirche. Ja und bis dahin hätte ich auch nicht gedacht, das mir Klettern gelingt. Haben Sie auch so einen Kletterbaum? Einen Ort, einen Menschen, eine Erfahrung, die Ihre Sicht verändert?

Ein Umzug beispielsweise kann einem vor Augen führen, welche regionalen Unterschiede es gibt, oder welche Menschen und Lebensumstände einen bisher geprägt haben. Man erblickt dadurch, wo die eigenen Wurzeln liegen und was einem leicht fällt hinter sich zu lassen, aber auch wo man sich Veränderung wünscht.

Und ein Aufenthalt im Ausland lässt einen die kulturellen Besonderheiten und Eigenheiten erkennen, in die man hineingeboren wurde. Auch Begegnungen, Gespräche und Erlebnisse mit anderen Menschen erweitern und verändern die eigene Perspektive – den Horizont. Das muss gar nicht immer etwas Besonderes sein: kein Promi- Autogramm oder backstage-Treffen, keine Podiumsdiskussion…

Einander sehen und besuchen. Austausch. Dadurch geschieht und gelingt es schon. Schlicht und einfach! Plötzlich kann sich da eine neue Perspektive auftun. Plötzlich siehst du was, was du vorher nicht gesehen hast. Etwas, wovor du deine Augen verschlossen hattest. Zachäus wollte nicht gesehen werden. Denn als Zöllner war er nicht sehr angesehen. Er wollte auch nicht gerne auf sich selbst und sein Leben schauen: unbeliebt, Geld durch Geld anderer Leute und Lug und Betrug…

So klettert er eines Tages auf einen Baum, um sich von diesem Versteck aus umzusehen. Denn der bekannte und berühmte Jesus hat sich angekündigt. Zachäus will sich einen Überblick verschaffen. Jesus sehen. Nur einen einzigen Blick erhaschen. Und tatsächlich: Jesus entdeckt ihn, blickt ihn an und ruft ihn zu sich. Ja, Jesus lädt sich sogar selbst bei ihm Zuhause ein. Er sieht Zachäus nicht als Geldeintreiber und Betrüger. Von ihm fühlt sich Zachäus wirklich gesehen. Und das ändert sein Denken und Handeln völlig. Jesus hat ihm eine neue Perspektive auf seine Person und sein Leben eröffnet. Ist es nicht wunderbar,  was passieren kann, wenn wir uns von Jesus anschauen lassen? Es ist wahr: Mit der Sichtweise des Glaubens kann sich einiges ändern: in der Welt, in deinem/Ihrem Leben.

Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Amen.