Wochengruß von Pastor Hartmut Weinbrenner

Nachricht 01. September 2019

„R“ wie „Rom“

Rom begeistert mich. Ich stehe in der Mittagshitze auf dem antiken Forum Romanum und schaue auf die „Kurie“. Sie ist als Gebäude noch ganz erhalten! Eigentlich ist es gar nicht so gewaltig, aber von hier wurde vor 2000 Jahren das römische Reich regiert. Hier traf sich der Senat. Ich sehe die Ruinen der anderen Gebäude: Vestatempel, Saturntempel, Maxentiusbasilika, Triumphbögen. Ich stelle mir vor, wie der Anblick dieser prächtigen Gebäude die Menschen damals überwältigt hat. 

Ich ziehe weiter in die Altstadt und besuche das Pantheon. Auch dieses Gebäude hat die Jahrhunderte seit der Antike überdauert. Es ist ein Bau mit einer runden Kuppel und einem Loch in der Mitte. Dadurch kann man immer noch die Gestirne bei Nacht beobachten. Vielleicht gab es hier einen Kult, der mit Sternen oder der Sonne verbunden war. Der Tempel ist dem Götterhimmel gewidmet: „allen Göttern“ heißt der Name Pantheon übersetzt. 

Unter den antiken Gebäuden n Rom ragt natürlich das Kolosseum heraus. Es wurde als Amphitheater erbaut und wirkt „kolossal“. Spätestens jetzt bekommt meine Begeisterung für das alte Rom einen Knacks: Im Kolosseum erfreuten sich die Zuschauer daran, wie Gladiatoren gegeneinander kämpften und sich töteten. Oder wie Menschen von Tieren getötet wurden. Christen wurden beispielsweise immer wieder in die Arena geschickt. Während die einen um ihr Leben kämpften, ergötzten sich die Zuschauer an diesem Anblick. Wie abscheulich!

Ich habe großen Respekt vor den Ingenieursleistungen der Römer und ihren Fähigkeiten, den Staat und das Militär zu organisieren. Aber ihren Umgang mit den Menschen finde ich ganz fremd und teilweise abstoßend. Die Religion im alten Rom spielt dabei eine große Rolle. Es gibt so viele Götter mit unterschiedlichen Zuständigkeiten. Und wenn ein Vorhaben misslungen ist, dann lag es eben an der fehlenden Gunst der Götter. Diese Götter sind irgendwie unberechenbar, obwohl ihnen viele Opfer dargebracht wurden.

Wenn ich Rom verlasse, bin ich immer wieder angefüllt mit Eindrücken. Aber auch froh, dass unsere Welt heute anders. Froh, dass das Christentum anders ist. Unser Gott zeigt sein Gesicht im mitleidenden Christus. Unser Gott verlangt keine Opfer. Er opfert sich eher selbst. Er liebt das Leben. Es soll nie enden.