Wochengruß von Pastor Hartmut Weinbrenner

Nachricht 13. Januar 2019

„B“ wie „Bileam“

Mose führt  das Volk Israel aus Ägypten. Das Volk zieht durch die Wüste und dringt schließlich in das versprochene Land vor. Dieses Land ist aber nicht unbewohnt. Da gibt es Kanaaniter, Edomiter und Moabiter. Diese Völker fürchten sich für den Neuankömmlingen aus der Wüste und wollen sie nicht ins Land lassen. Der König der Moabiter mit Namen Balak zieht den Fremden mit seinem Heer entgegen. Er lässt aber auch einen Gottesmann holen, der die Eindringlinge im Namen Gottes verfluchen soll, bevor König Balak sie mit Waffengewalt in die Wüste zurückjagt. Der Gottesmann heißt Bileam. Bereitwillig setzt sich Bileam auf sein Reittier – einen Esel – und macht sich auf den Weg den Israeliten entgegen. An einem Engpass jedoch geht der Esel nicht weiter. Bileam schlägt den Esel mit seinem Stecken, aber es hilft nichts. Bileam reißt an dem Tier und schimpft, aber jetzt geht der Esel auch noch auf die Knie. Bileam wird immer zorniger und schlägt auf den Esel ein. Da fängt der Esel plötzlich an zu sprechen: „Was habe ich dir getan, dass du mich schlägst?“

Bileam ist verblüfft und sieht sich um. Erst jetzt erkennt er den Engel des Herrn, der ihm mit gezogenem Schwert den Weg versperrt. Da fällt Bileam vor dem Engel auf die Knie. „Dein Weg ist verkehrt.“ Sagt der Engel. „Wäre dein Esel nicht gewesen, ich hätte dich mit dem Schwert getötet. Zieh hin zu den Männern des Königs, aber rede nur, was ich dir sage!“

So kommt es, dass der Prophet Bileam die Israeliten nicht verflucht, sondern segnet – zum Entsetzen von König Balak. 

Vier Dinge fallen mir zu dieser Geschichte ein: 

1. Schon immer versuchten Könige, Kaiser und Präsidenten, Religion für ihre Zwecke einzusetzen. Und immer finden sich auch vermeintliche Gottesmänner/-frauen oder kurzsichtige Propheten und Prophetinnen, die sich den Wünschen der Politik hingeben und ihre eigentliche Aufgabe vernachlässigen.

2. Manchmal haben Esel die besseren Augen und den wacheren Blick, und das „einfache Volk“ erkennt Gottes Willen schneller als manche Berufschristen.

3. Gott ist auf der Seite seines Volkes Israel. Hier hat er seinem Volk gegen Balak geholfen. Ein anderes Mal schickt er sie aber auch in das Exil nach Babylonien. Gott ist nicht einfach nur ein „Schutzengel“, der alles Übel von seinem Volk abhält. Und dann sendet er seinen Sohn Jesus Christus. Da fängt was ganz Neues an. Christus definiert noch einmal ganz neu, was überhaupt „Gottes Volk“ ist: Gehet hin zu allen Völkern und macht sie zu Jüngern und Jüngerinnen... (Matthäus 28,18)

4. Gott setzt sich am Ende durch. In der Geschichte des Bileam hat Israel dieses Heil tatsächlich erfahren. Für uns ist es aber eine Hoffnung, dass Gott sich auch für uns einsetzt und uns in das Land bringt, das er uns versprochen hat: sein himmlisches Reich.
Diese Hoffnung hängt ab vom Glauben an die Auferstehung Christi. Uns Christen ist aufgetragen, aus dieser Hoffnung heute schon Erfahrungen zu machen. Das Reich Gottes wartet nicht erst am Ende der Zeit auf uns, sondern wir sollen heute schon in diesem Sinne handeln. Dazu gebe uns Gott offene Augen und Ohren, ein mitfühlendes Herz und helfende Hände.