Wochengruß von Pastor i.R. Klaus Haasis

Nachricht 16. Juni 2019

„K“ wie „Kirche“

Höre ich das Wort Kirche, habe ich zuerst ein mehr oder weniger imposantes steinernes Kirchengebäude vor Augen. Schon im Neuen Testament wird ein Gebäude als Bild für das gebraucht, was Kirche im geistlichen Sinne ist, nämlich die Gemeinschaft aller Gläubigen. So heißt es im 1. Petrusbrief 2, 5: „Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause…“

Dass Petrus ein solches Bild als Gleichnis für die Kirche gebraucht, ist beachtenswert; denn die ersten Christen trafen sich in Hausgemeinden, also in privaten Wohnungen. Kirchenbauten kannten sie noch nicht. Deshalb ist das Bild, das Petrus gebraucht, auch seltsam schief: „Und auch ihr als lebendige Steine…“ Steine sind doch hartes, ja totes Material und nichts Lebendiges! Aber das Bild von den lebendigen Steinen als Bild für die Kirche  ist auch durch etwas anderes als durch ein Kirchengebäude angeregt worden. Einige alttestamentliche Bibelstellen reden von einem besonderen Stein; so z. B. Psalm 118, 22: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben; der ist zum Eckstein (Grundstein) geworden“. 

In solchen Zitaten erkannten die frühen Christen das Leben, Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi wieder. Seine Gegner hatten ihn ans Kreuz gebracht, also verworfen. Aber Gott hat den Verworfenen zum Eckstein gemacht. Für Petrus ein Bild für die Auferstehung. Und als Auferstandener ist Christus der Lebendige schlechthin. So kommt diese seltsame Rede vom lebendigen Stein als Bild für den lebendigen Jesus Christus zu Stande. Christen sind durch die Taufe Christus gleich geworden und dürfen in Gemeinschaft mit ihm leben. Darum kann Petrus nun für die Christen und für ihre Gemeinschaft mit dem Auferstandenen dieses Bild von den lebendigen Steinen gebrauchen. Dieses Bild sagt vor allem eines aus: „Christus und die Christen gehören in einer lebendigen Gemeinschaft einfach zusammen.“ Daran erinnern uns denn auch all die vielen Kirchengebäude, sind sie doch die Orte, wo diese Gemeinschaft besonders gepflegt wird.