Wochengruß von Pastor Arne Hüttmann

Nachricht 09. Juni 2019

„K“ wie „Kleinglaube“

Sind Sie Fußballfan? Wenn nicht, macht  das nichts. Denn das, was ich Ihnen heute sagen will, gilt nicht nur für die Rasenballsportart: Der Glauben kann entscheidend sein. Da können zwei Mannschaften sich gegenüberstehen und die eine ist der anderen auf dem Papier komplett überlegen. Und doch bleibt das Spiel ein offenes Spiel, solange die kleine Mannschaft weiterhin an sich glaubt. Denn der Mensch funktioniert nicht einfach nur so. Er kann nicht nur dies oder das gut und kann das jederzeit abrufen. Wir Menschen sind keine Maschinen. Da ist die Motivation entscheidend, der Glaube an Erfolg oder an ein Ziel, was man erreichen kann.
Pfingsten geht es um Glauben. Es ist der viel beschriebene Geburtstag der Kirche. Das ist nun lange her. Seitdem ist viel passiert. Heute steht unsere Kirche nicht so selbstverständlich da wie in den Jahrhunderten zuvor. Missbrauchsskandale erschüttern beide großen Kirchen. Und auch so scheint über die Jahrhunderte Vieles eingeschleift zu sein, zur Selbstverständlichkeit verkommen. „Was wird nur aus unserer Kirche?“, mag der ein oder andere fragen. Und in der Tat ist diese Frage nicht ganz aus der Luft gegriffen. Die Menschen wenden der Kirche zunehmend den Rücken zu. Kinder werden heute nicht mehr selbstverständlich getauft. Zur Konfirmation gehen zwar noch viele, aber längst nicht alle Jugendlichen. Kirche gehört nicht mehr automatisch in unser Bild von Gesellschaft dazu.
Gemeinden werden zusammengelegt. Der theologische Nachwuchs bleibt aus.
Was wird nur aus unserer Kirche? Der Wandel des Weltbild macht Angst. Dabei ist diese Angst nichts Neues. Es ist ein Zweifel, den damals auch die Jünger Jesu hatte. Ich denke an Petrus, den das Wasser nicht trägt. Ich denke an die Jünger, die im Sturm im Boot neben dem schlafenden Jesus verzweifeln.
Der nennt das „Kleinglauben“. Vielleicht passt das auch für uns. Letztlich ist die Frage heute wie damals die gleiche: Was trauen wir Gott zu? Ja, es wird einen Wandel geben. Ja, Selbstverständlichkeiten werden morgen nicht mehr selbstverständlich sein. Aber wir werden auch diesen Weg miteinander schaffen. Und wer weiß, vielleicht finden wir gerade in dieser Zeit unseren eigentlichen Glauben wieder. Das würde ich mir zumindest wünschen. Frohe Pfingsten!

Arne Hüttmann